Samstag, Februar 04, 2017

Das Geld hat den Verstand verloren


Das Geld hat den Verstand verloren,
wir stehen innerlich Gewehr bei Fuß.
Der Heiland ist uns tot geboren,

die Welt hat sich und wir uns gegen sie verschworen.
Die letzten Freunde gehen ohne Gruß,
das Geld hat den Verstand verloren.

Der Most hat sich zu Jauche vergoren,
im Glas verfault das einstmals süße Mus.
Der Heiland ist uns tot geboren.

Gehört wird nur mit tauben Ohren,
auf einer Saite tönt der letzte Blues.
Das Geld hat den Verstand verloren.

Da kann, wer will, in dicke Bretter bohren
und schreibt im Internet abstrus.
Der Heiland ist uns tot geboren.

Jetzt feuert es aus allen Rohren,
die Städte fallen unter dem Beschuß durch Schmus.
Das Geld hat den Verstand verloren,
der Heiland ist uns tot geboren.


Donnerstag, Januar 12, 2017

Schritt weiter


Man muss den letzten Schritt nur selber schreiten,
im Abgrund lebt es sich gelassen.
Wem nutzt denn schon das permanente Streiten?

Man kann bequem aus den Diskursen gleiten,
wer will Gefühle wohl verletzen, wer will hassen?
Da heißt es stets voran zu schreiten,

auf dem bequemen Weg, dem breiten,
und selbst mit guten Karten soll man besser passen.
Wem nutzt denn schon das laute Streiten?

Im Strome, der begleicht, dem weiten,
der mit sich reißt die großen Massen,
da sollte man im Gleichschritt schreiten.

Und im Gefecht der vielen Eitelkeiten
sich in Gelassenheit verfassen.
Wer will sich denn in Ewigkeit verstreiten?

Mit denen, die uns in die Zukunft leiten,
uns führen durch die dunklen Gassen,
da sollte man final beschleunigt schreiten.
Man liebt dort oben nicht das permanente Streiten.

Montag, Januar 09, 2017

Mittwoch, Januar 04, 2017

Gedankenverschmutzung


In Wahrheit, lehrt uns Herr Minister,
geht es darum: Haltet die Gedanken reine.
Denn der falschen Denkungsart Geschwister
nennen wir Gedankenschweine.

Treiben wir sie auf und nieder
durch die Dörfer, immer wieder
und im Falle eines Falles
sind sie nichts, die andren alles.

Also geht euch die Gedanken putzen,
denn sie sind nicht grundlos frei.
Ihr dürft sie solang benutzen
wie ein Baby Babybrei.

Dienstag, Januar 03, 2017

2017


Ihr könnt das neue Jahr behalten,
es wird nicht besser als die alten.
Ich kann es bezeugen, war immer zugegen,
besser wirds? Von wegen.
Das Pulver ist zu Feinstaub verschossen,
der Sekt ist in den Lokus geflossen.
Ich halte die Wette, das neue wird schlimmer,
denn schlimmer als das alte geht immer.

Man sollte sein Blei, statt es zu gießen,
benutzen, das neue Jahr zu erschießen.

Freitag, Dezember 30, 2016

Letzte weiße Weihnacht


Die letzte Kerze neigt sich ihrem Ende zu,
sie schrumpft, ein wenig Stearin läuft
auf die nächste Nordmanntannennadel.
Die Flamme blakt nur kaum,
ein leiser Zug weht durch den Raum.
Jetzt fasst das bißchen Feuer sich ein Herz,
entflammt die Nadel, dann den Zweig,
den Ast, den Stamm und dann
Inferno in dem festlich fein geschmückten Zimmer.
Kein Wächter da und die Geschenke schmelzen schnell.

Donnerstag, Dezember 22, 2016

Planierrautenpolitik


Nach den Vorkommnissen in letzter und vor den Vorkommnissen in nächster Zeit fragt man sich: Was haben die Herrschenden an Vorteil von der gegenwärtigen Situation? Wem nutzt es, dass die Verhältnisse ins Wanken geraten? Wo ist das Geld?
Merkel hat gesagt, sie habe einen Plan. Diese Aussage hat sie bis jetzt nicht zurückgenommen. Nun könnte man sagen: Hat sie keinen Plan, bleibt es schlimm. Hat sie einen, wird es schlimmer.
Die RAF hatte den Plan, das System durch Attentate zu destabilisieren und einen Bürgerkrieg herbeizuführen, revolutionäre Zustände zu schaffen. Folge waren Verschärfungen der Notstandsgesetze, Rasterfahndung, verstärkte Überwachung. Ähnliche Pläne kann man auch den Genossen von rechts unterstellen, die sind jedoch selbst für sowas zu dämlich.
Solch eine "große Transformation" kann man aber auch von oben herbeiführen: Schaffen einer Krisensituation, Ausnahmeregelungen, Ausrufung des Notstands, Ermächtigungsgesetze, Abschaffung demokratischer Freiheiten, Etablierung einer Einheitspartei, Diktatur des guten Gewissens. Nach dem großen Knall folgt dann die Kehrwoche.
Ob die Merkelisti damit durchkommen? Es könnte an uns liegen.

Sonntag, Dezember 18, 2016

Morgenkreis





Jetzt setzen wir uns in den Morgenkreis
und reichen uns die Hände,
die jeder sich gewaschen hat nach dem Toilettengang
und singen den früh und froh und jubilierenden Gesang:
Wir wollen sie, wir können sie, wir schaffen sie, die Wende,
dann hat die Ungerechtigkeit ein Ende,
frohlocken werden Säugling, Teenager und Greis.

Und gerne zahlen wir den Preis
für unser Ende.

Mittwoch, November 30, 2016

Spiele


Ich spiele Memory mit einer Karte,
Schach ohne König,
Skat ohne Blatt,
und ich gewinne immer
oder bin Matt.
Egal, wir zählen ohne Zahl,
die Zahlen sollen sich erzählen,
was sie wollen.
Ich mach sie platt.

Freitag, November 18, 2016

Das Original ist die Fälschung der Kopie


Das Licht geht niemals aus im Amt für Anmaßung,
Befugte stempeln Unbefugte in ihr gutes Recht.
In Zumutungsräumen feilt man an gerechter Bespaßung,
auf der Holzwegsverwaltung pickt sich müde ein Specht.

Derweilen gehts rund im Relativierungsbüro,
man spielt dort eifrig "Geld versenken",
und fragt sich weshalb, wofür und wieso
sollte man den Schotter nicht verschenken?

Die Antwort liefert der Antwortminister:
Die Fragen sind falsch, sowieso -
er schüttet Benzin aus dem Antwortkanister.
Verbrenn, altes Rom und sei froh.

Die Staatssekretärin für schwierige Zeiten
wird uns auch hierdurch sicher begleiten.


Sonntag, November 13, 2016

Was tun


Verschwörungstheorien könnte man verlachen,
die bieten doch nur Raum zum Glauben.
Da könnte man, da sollte man, da würde man was machen.

Zum Beispiel einen Shitstorm zu entfachen
und einem Gläubigen den Glauben rauben.
Verschwörungstheoretiker sollte man verlachen.

Wer weiß, eventuell muss es mal wieder krachen,
man reißt den Granden vom ergrauten Schopf die Hauben.
Das könnte man, das sollte man, das müsste man mal wieder machen.

Und unterm Teppich liegen viele fortgefegte Sachen,
an denen hieße es zu schrauben.
Verschwörungstheoretiker sind immer auszulachen.

Man räuchert aus das Nest der Drachen,
es stellt sich raus: Das waren Tauben.
Was kann, was soll, was muss man jetzt noch machen?

Man nutze falsch betonte Sprachen,
zieht sich zurück in kaum beheizte Lauben.
Dort kann man die Verschwörungstheorien laut verlachen
und muß und soll und wird nichts machen.

Montag, November 07, 2016

Die Möglichkeit epochalen Scheiterns


Wir wären nicht die erste Gesellschaft, die ihre Zivilisation schrottete. Der Knall aber wäre 
unvergleichlich lauter.

Mittwoch, Oktober 26, 2016

Horrorclowns


Man hüte sich vor denen, die sich nicht erst verkleiden müssen, bevor sie auf die Straße gehen.

Montag, Oktober 03, 2016

Frau Medusa



Sie wankt mit ihrem leeren Einkaufswagen
von Lidl durch kaputte Straßen,
umfährt die Löcher im Asphalt und blickt
in blinde Fenster. Auf den Dächern, Ampeln,
sitzen Raben, die warten auf Gefallene
zum Abendmahl. Sie denkt an früher,
bessere Zeiten, bevor Banausen ihr Land versenkten.

Jetzt bekommen sie ein anderes Land
geschenkt. Na und? Das haben sie davon.
Auch wenn ihr Hosenanzug fadenscheinig wird, sitzt die Frisur
wie aus Beton gegossen
und im Takt zum Schlurfen ihrer Füße murmelt sie:
Wir schaffen das! Wir schaffen das!

Montag, September 19, 2016

Viertel vor nach



Im Amt für Amtsanmaßung herrscht heute Hochbetrieb bei Nacht,
die nächste Katastrophe wird passend gemacht
mit Herz und Hirn und mit Bedacht.

Man achtet streng auf Qualität, das Beste für das Land,
vermittelt das Ergebnis mit Gefühl und manchmal,
wenn es sein muss,
auch mit strenger Hand.

Also erfasst das Volk ein einiges Streben,
sich bedingungslos dem Guten, Wahren, Schönen hinzugeben:
So ist man besser vorbereitet auf kommende Beben.

Dann kommt, zu guter Letzt, der letzte Superheld,
verschenkt aus leeren Händen Supergeld.
Selbst wenn es echt ist, ist es falsch.
Es kostet nur die Welt.

Und wer jetzt meint, er müsste protestieren,
dem könnte etwa alternativlos etwas passieren.
Man sollte das von daher besser nicht probieren.

Samstag, September 10, 2016

Alternativlos


Das geht nicht anders, weil, das wird jetzt so gemacht,
weil, ginge das jetzt andersrum, dann gute Nacht.
Das haben wir in aller Gründlichkeit bedacht
und was das jetzt im Volk entfacht,
das wird verleumdet und verlacht.

Das Zögern, Zaudern, Denken hat es nicht gebracht,
jetzt eben heftig, nicht mehr sacht.
Wir stehen Hand in Hand, gebannt, vor diesem tiefen Schacht.
Jetzt springt ihr oder fallt, befiehlt die Macht.

Sonntag, August 14, 2016

Durchhalten!


Durchhalten!

Das schaffen wir,
wenn alle nur ihr bestes geben,
dann blüht uns was im Jetzt und Hier.

Es landen Boote an der Pier,
die bringen uns ein neues Leben.
Das schaffen wir.

Genau gesagt: Das schafft jetzt ihr.
Voran, auf, auf und frisches Streben,
dann blüht uns was im Jetzt und Hier.

Da fühlt man nach dem sechsten Bier
ein innerlich gerechtes Beben:
Das schaffen wir!

Denn sind wir nicht des Landes Zier?
Zum Vorbild sollten grade wir uns nun erheben.
Dann blüht uns was im Jetzt und Hier.

Fühlt doch den Ausgleich, zügelt eure Gier,
wir wollen ja gemeinsam an der Zukunft weben.
Das schaffen wir!
Wenn nicht, verglüht im Jetzt und Hier.

Montag, August 08, 2016

Moderater Radikalismus


Man zahle erst mal wörtlich heim in bar,
dann nimmt der andre gar nicht wahr, was war
denn los? Er hat ein Angebot gemacht
und wird um den Gewinn gebracht?
Und ausgelacht.
Es war doch ausgemacht, auf Augenhöhe zu verhandeln,
wie konnten sich Verhältnisse so schnell verwandeln
und sich die eigentlich so Guten fest verbandeln
mit denen, die im Hintergrund die Netze weben
und danach streben, Leben für ein Jenseits zu vergeben?

Je nun, es geht, wenn man nur will.
Bedroh ein Volk mit seinem Tod und es bleibt still. 

Dienstag, Juli 26, 2016

Noch Fragen



Hab ich eine Grenze, hab ich keine?
Wo hör ich auf, wo fang ich an?
Wie frei ist sie, die Freiheit, die ich meine?
Und darf ich fragen, was man nicht sagen kann?

Bin ich gestört, wenn etwas mich verstört?
Und werde ich dann dritten Grads verhört?
Wird man mich mit Zahlen quälen?
Muss ich meine Qualen zählen?

Was ist, wenn ich dann aus der Haft entlassen werde?
Ist die unter meinen Füßen auch noch meine Erde?
Und bliebe ich, was könnte mir passieren?
Sollte ich wohl besser innerlich migrieren?

Dienstag, Juni 14, 2016

Wenn grünX den Fussball regiert


1. Es gibt fortan keine gegnerischen Teams mehr, alle spielen zusammen. Da Tore das ausschließende Sieger(sic!)prinzip bedeuten, werden sie abgeschafft. Das Ergebnis des Spiels wird in harmonischer Gemeinsamkeit bestimmt. Gelingt es nicht, sich auf ein Unentschieden zu einigen, endet das Spiel automatisch unentschieden.
2. Alle Geschlechter spielen zugleich. Dafür wird die Teamgröße auf 365 Mitspieler/innen pro Team ausgeweitet.
3. Nationalfahnen werden ersetzt durch die Einheitsfahne. Fan/innengesänge und Rufe sind neutral zu halten, sie möchten keinerlei Diskriminierungen und Bevorzugungen enthalten. Erwünscht sind Rufe wie: "Fussball ist schön bei Biowind und Ökosonnenschein. Da stimmen alle überein".
4. Alle tragen das gleiche Trikot.
5. Die Zuschauer/innen dürfen Beispiel klatschen, gleichmäßig verteilt und in homöopathischer Dosierung. Dazu erfolgt eine Anleitung über die Stadionlautsprecher/innen in einfacher Sprache.
6. Der Gebrauch von Zucker, Fett, Benzin, Nikotin und Salz ist vor dem, in dem und um das Stadion unerwünscht. Bei Zuwiderhandlung erfolgt eine freundliche Ermahnung mit Veröffentlichung der persönlichen Daten. Psychoaktive Substanzen sind zugelassen, solange sie verboten sind.
7. Da Fussball zu vermehrtem Verkehrsaufkommen, emotionaler Aufgewiegeltheit und politischer Unzuverlässigkeit führen kann, wird er/sie nach Ausarbeitung einer noch ausstehenden Handreichung modifiziert. Zulässig ist dann nur noch das Spielen ohne Ball und ohne Spieler/innen.

Montag, Juni 13, 2016

Wer will noch mal?


Man kann nicht mehr wollen,
man will nicht mehr können,
man ist entweder oder
und weder noch
sowohl als auch für sowie gegen
Dings. Was Thema?
Ich so und du so und er so und sie so und es so
und wir so und ihr so und sie so
geht es und geht es
wiederum nicht
weiter zurück nach vorn
zum Glück

Mittwoch, Juni 01, 2016

Helfling


In der Manufaktur für fliegende Teppiche herrscht Hochkonjunktur
und der Dienst für verlorene Flaschengeister hat schwer zu tun.
Die Firma "Hilf deinem nächsten wie dir selbst" rennt verschlossene Türen ein,
bei "Lies, lies, verdammt nochmal lies" kommt niemand zum Ruhn.

Vernetzt sind jetzt der Norden, Süden, Osten, Westen,
egal woher, wohin und wer mit gegen wen,
der Smartphonemob bedient sich freudig an den Resten.
Wer wollte solcher Notbedürftigkeit wohl widerstehn?

Die eine Hälfte der Bevölkerung betreut die andere
und nächstes Jahr gehts anders rum.
Wer das nicht möchte, wandere
woanders hin. Am besten stumm.

Montag, Mai 30, 2016

Äußerung


Ich sag jetzt besser nichts, weil,
wenn ich jetzt was sagen würde, würden die, 
die was zu sagen haben, sagen dass
das, was ich in ihren Ohren gesagt haben soll
so Hundstoll wär, dass ich besser ausgeblendet würde
aus jedem Netzwerk, in dem der Anstand bestimmt
darüber, was anstößig ist und was nicht
zur Rede kommen darf, weil schon zu fragen
lügen heißt.