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ruelfig

Freitag, November 13, 2009

Frohe Nachricht


Gemütlich im Sessel sitzend las ich in der Tzeitung:
Hamid Karzai beschwert sich: westliche Gelder führen zu Korruption. Kein Problem, ohne Geld keine Bestechung.

Verbraucherzentrale warnt vor Rechnungen: die Rechnung ist die Wurzel aller Übel. Zahl sie nicht.

Siebenjähriger betrunken: nicht die Eltern, die Blagen versaufen das Kindergeld.

SMS Abschied




Tagsüber liegst du dösend rum
nachts frisst du wie ein Schwein.
Versoffen faules, dummes Trumm
Ich bin mal weg. Dein

Kain

Du hast dich in dich selbst verliebt,
betrachtest deinen Nabel.
Das war von Anbeginn versiebt.
Mich siehst du nicht mehr,

Abel

Ich liebte dich an jedem Ort,
von Herne bis nach Goa.
Doch eine Schwingung treibt mich fort,
nach innen ziehts mich.

Noah

Du hast ihn überall gesucht,
den 6er Schein vom Lotto.
Hast wie ein Marktweib laut geflucht -
ich fand ihn. Grüße,

Otto


Ich war dir treue Partnerin,
war Hure, dufte Biene.
Und was machst du? Ich glaub, ich spinn.
Ich war. Das war's,

Gesine

Laudanum, richtig eingesetzt,
bringt Abschied ohne Ach und Weh.
Das Auge bleibt mir unbenetzt,
leb wohl, mein Lieb.

Die Hattice

Ein Blick und ich war dir verfallen,
wir kamen uns im Eilzugtempo nah.
Wer rast, kann auf die Schnauze knallen.
Jetzt trag ich Brille, dich nicht länger,

Kaa

Boah sag mal Alter, geht das noch,
du hörst wohl nicht den Knall?
Wo sonst Gehirn sitzt, hast du Loch.
Verpiss dich, sagt

Chantal

Du warst mein Leuchtturm, warst mir Halt,
im Sturmgebraus des Meeres.
Das Feuer aus, das Bett ist kalt.
Ich bin zur See, dein

Perez

Einst war ich Multimillionär,
du liebtest meinen Schotter.
Jetzt gibt das Gasfeld nichts mehr her.
Verzeih, Bankrott, dein

Pjotr

Dienstag, November 10, 2009

Lyrik Rezept(ion)



Das Leben hier ist nimmermehr ein Zuckerspiel,
es fehlt an Fingern, die sich auf sehr schlimme Wunden legen.

Poet, du wirst das transportabel machen,
allzeit bereit, den Dreck hinwegzufegen,
der wie ein Schleier Jammer, Kargheit, Not verdeckt.

Ein Kinderschlecken ist das nicht,
schau der Gesellschaft tief ins lärmende Gedärm.
Dein Schlüssel erschließt ein bitteres Lachen,
berichte du kraftvoll, genau und, bitte, recht viel.

Guantanamo

Mittwoch, November 04, 2009

Ströbele sein Gemüsehändler erklärt Deutschland



Runter auf die tiefsten Sohlen
fährt Mahomet, Döner holen.
Fleißig macht er Loren voll,
schneidet, kratzt und hackt wie doll.
Sechzehn Tonnen sind sein Soll.

Kebapabbau ist sein Leben -
drohend knistern morsche Streben.
In Schacht achtzehn, zwischen Hammel=
beinen und Gegammel
oller Dinos wächst der Bammel.

Denn die Lage untertage
ist marode, keine Frage.
Soll Glück auf sich weiter lohnen,
braucht es viel an Subventionen.
Keinen wird die Krise schonen.

Und so fährt der alte Kumpel
mit dem Aufzug, rumpel, rumpel,
in sein Flöz und humpel, humpel,
wankt er vorwärts. Schaben, schaben,
dass wir allzeit Drehspieß haben.

Kein Titel

Montag, Oktober 19, 2009

Erzählung




Es war einer dieser Frühlingstage, an denen der Himmel zu plötzlich zu blau und die Sonne unangemessen hell schien. Aus der Nachbarswohnung drang gedämpftes, langanhaltendes Stöhnen. Wenigstens hat mal jemand Sex, dachte er auf dem Weg nach draußen. Der Mieter von gegenüber, gerade erst eingezogen und schon geht das los. Schön und gut, aber müssen die jedem vorführen, dass sie noch können? Ich meine, gut, wir waren auch jung aber dann kommt auch so was wie Verantwortung, da kann nicht jeder, wie er gerade will, da gibt es auch so was wie Selbstbeschränkung und Streben. Höhere Werte, jedenfalls und nicht eine Matraze auf dem Boden und feuchte Laken und mit der Zunge überall und dann nicht mal duschen, einfach so zum Bäcker und die letzten Mehrkornbrötchen wegschnappen. Ein handgeschriebenes Namensschild an der Tür, wo heute jeder Computer hat, wahrscheinlich kein Geld für Tintenpatronen, aber sicher für Kondome. Komische Musik, wer spielt denn so Gitarre, ok, mein Vater fand Oasis auch Scheiße aber das ist hier ist doch nicht Seattle. Sie sieht ja nicht mal schlecht aus, wenn man auf Tatoos steht und Piercing überall, aber wie will der denn jemals einen Job finden? Ich meine, der sieht aus wie ein Stahlwerkvertreter, der kann doch höchstens als Türsteher arbeiten, bei den Muskeln. Freundlich grüßen, so als ob, naja, was wählt der wohl für eine Partei? Geht mich ja nichts an, hier kann jeder frei sein im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen. Aber muss sie denn wirklich so laut stöhnen? Gut, dass Marie schon auf dem Weg zur Schule ist, so eine Sauerei, sie ist ja schließlich erst fünfzehn. Vielleicht frage ich nach, bei der Hausverwaltung.

Ling früh



Im Ling früh wird alles viel schöner,
dann wird die Natur wieder gröner.
Bis dahin nur Frost
und Heizung, die kost'.
Im Dunkel ins Bett mit die Höhner.

Zweizeilige Tiere 18



Es sprossen den Rossen in Zossen
dem Reime zulieb fette Flossen.

Zweizeilige Tiere 17



Der Iltis rennt (wenn er nicht pennt)
und sein Gestank macht Nasenkrank.

Zweizeilige Tiere 16



Die Fliege denkt: Ich schmeiß gewiss
ein Meisterwerk aus Fliegenschiss.

Zweizeilige Tiere 15



Das findet das Seepferd gar nicht zum Lachen:
Komm, lass uns einen Ausritt machen.

Zweizeilige Tiere 14



Noch trägt es stolz ein Horn auf seinem Nasenbein,
doch bald schon stößt der Jäger dort hinein.

Zweizeilige Tiere 13



Das Eichhörn einst die Welt regierte,
bis es zum -chen zurückmutierte.

Franzmann



Was jeder Franzmann gern hätte:
ein großes Päckchen Baguette.
Mit reichlich viel Teer,
mais ohne Filtär.
Man hustet schicke Brikette.

Zweizeilige Tiere 12



So sprach zum Aal der Zitterwal:
dein Bibbern finde ich banal.

Deine Gurke



Sie hängt an dir wie ein Schinken
und sie tropft gleich leckem Rohr.
Mit zwei Löchern zum Versinken:
Luke auf, Torpedotor.

Fertig ist sie zum Verblasen,
Tempotuch gezückt und los.
Nur ein Stoß rasiert den Rasen -
ich find deine Nase groß.

Zweizeilige Tiere 11



Die Sanduhrratte hatte niemals lange Weilen,
sie las gedächtnisblind die immer gleichen Zeilen:

Frühling, Sommer, Herbst und Winder
auf den Wiesen weiden Rinder.
Manche scheckig, andre bunter,
heut noch oben, bald darunter.

Luizidal



Jetzt nimm mir die verdammte Sonne aus den Augen,
sonst setze ich die Karre in den Sand, wo Doofe
auf Erlaubnis warten. Was meinst du wohl, verschrotten
oder geh zu Fuß, du blinde Eule? Verreck im Sternenstaub,
ich brauch jetzt eine wirklich große Sonnenbrille.
Kein Wischiwaschi und kein Mumbojumbo,
den puren Stoff. Graniten und poliert und halt
die Fresse, wenn du mit mir redest. Ich bin
im höchsten Maße irritiert, hier irrisiert ein blödes Lichtlein
sinnlos durch die Gegend und warum staut der Idiot
vor mir - wer hat den Deppen auf die Bahn gelassen?
Was hier jetzt gleich passiert, das wollt ihr nicht erleben.
Ab jetzt wird jeder massakriert.

OL 1



Ein Rotweingourmand aus Saarbrücken,
der wollte die Wähler beglücken.
Versprach volle Flaschen
bei voll leeren Taschen:
das geht schon, wir drucken mehr Mücken.

OL2



Der oskarste Oskar von allen
fand immer am Staate Gefallen.
Was Führer Il Jong
im Osten gelong,
das bringt ihn politisch ans Wallen.

Nordkorea



Die Mädels im Norden Koreas
sind schwer nur zu sehen. Es liegt das
daran, dass Propheten
sich etwas verspäten
mit Paradiesen. Es gibt Gras.

Unerziehung



Desinformanten sind ausgesandt,
Seelen zu häuten, Hirne zu pfählen.
Stahlhart gewahrter Anschein
leerer Pose. Revolte geballt
von der Leine gelassen.
Im Selbstentgrenzungsgebiet brauchen wir
1. Pläne, um uns 2. zu verraten,
was Sache war. Wie gesagt,
wir hören uns gut zu, bevor
danach ein Rückschritt ansteht.

Montag, Oktober 05, 2009

Restwarm



Und in den Höhlen, die so tun, als ob
sie noch geöffnet hätten, montieren junge Kerle
sich vom Holz. Sie leeren die Gesichte
in den Staub, aus dem sie wurden, sie betteln
um Probleme. Ihr Herr ist nicht mehr streng genug,
er spricht sie los:
Verteilt die Sprache um, verwirklicht euch
in Unterforderung. Greift zu gedämpften Zungen
aus der Luft und malt die Wolken aus. Die Zeit
zu scheitern scheint gekommen. Ein Chor
von faulen Kapitänen singt vom Untergang
dem Schiff. So greift zur Niete, ihr, nicht ein Mal
in der Lage, eine Sache anzugehn.

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