Montag, Juli 31, 2006

Kleine Beziehung 23


Ich danke mir für dein Verständnis.
Anti-Sisyphos


Mein neuer Job gefällt mir. Ich muss nur die Steine, welche von den Sisyphossen den Berg hinaufgeschoben werden, auf der anderen Seite wieder herabschubsen.
Sternbaendiger


Mein Schatz, wird es dir wohl gelingen,
in diesen Kurmel aus Weltenallen,
die ziellos durcheinanderfallen,
die rechte Ordnung zu bringen?

Mein Schatz, ich werde mit Disziplin
Sinn ins Universum kriegen,
das Chaos mit Regeln besiegen.
Es dauert, doch ich krieg das hin!

Diesem Wirrwar aus Gestirnen,
entsprungen wohl aus kranken Hirnen,
bring ich mit Logik und Verstand,
eine neue Disziplin, Gesetze,
indem ich Stern auf Stern versetze.
Es braucht nur eine strenge Hand.

Sonntag, Juli 30, 2006

Kleine Beziehung 22


Ich mache dir Sorgen um mich.
Sonne


Komm, liebe Sonne, scheine,
herab auf Flur und Feld.
Erwärme unsere nasse
und dunkle, kalte Welt.

Komm, liebe Sonne, brenne,
vom Himmel Tag und Nacht.
Wir wollen immer loben dich
und deine Pracht.

Ach, liebe Sonne, merkst du nicht,
jetzt ist es genug?
Es wandeln deine Strahlen sich
vom Segen uns zum Fluch.

Es ist, du blöde Sonne, so,
daß du uns zerstörst.
Pack dein Geloder ein und geh,
da wo du hingehörst.

Komm, lieber Regen, falle,
hinab auf Flur und Feld.
Benässe unsere heiße
und kahlgebrannte Welt.
Geglaube


Ihr macht ein solches Gewese,
um eure Exegese.
Der eine glaubt dies, der andere das,
einer will Ärger, einer will Spaß.
Ihr glaubt mit allen Finessen,
immer aufs Glauben versessen.
Ist Er wirklich unsichtbar,
hat Er einen Bauch?
Trinkt Er abends in der Bar,
sieht Er Günter Jauch?
Ist Er bloß
oder blößer?
Trägt Er groß,
oder größer?
Ist Er immer,
oder Dauer,
wird Er schlimmer
oder lauer?
Trägt Er Hüte
oder Mütze,
ist Er nutzlos
oder nütze?
Ihr glaubt doch nicht,
daß ich euch glaube,
daß ihr an irgendwas glaubt?
Ich glaube, daß euer Geglaube,
mir den Glauben raubt.

Donnerstag, Juli 27, 2006

Arya


Der alternde Lord betrachtete die sechs Masken über dem offenen Kamin, eine Pfeife in der linken, ein Glas Whiskey in der rechten Hand.
"Sicher bin ich der einzige auf dieser Welt", dachte er bei sich, "der eine vollständige Sammlung der Lächeln der Arya Gionni besitzt".
Draußen kroch Nebel über den herbstlichen Rasen. Drinnen, im warm nach Tabak und Männlichkeit duftenden Herrenzimmer, herrschte eine andere Jahreszeit, ein immerwährender Sommer.
"Omnia in plena floris": Wahlspruch seiner Familie, dem er sich seit frühester Kindheit verpflichtet fühlte.

Glich auch die Ehe mit Lady Angela seit Beginn einer Wüstenei aus unerträglichen und völlig unerträglichen Abschnitten, war sein Inneres ein besonnter Park, warme Hügel, feuchte Gefilde, heiteres Moos auf kühler Haut.

Dort, tief in sich, hatte er sie alle getroffen, dort hatte er sie alle gehabt.

Die Überhebliche. Sie fand ihr Herz. Dann stahl er es.

Die Temperamentvolle. Es war nicht einfach gewesen,ihre Flügel zu stutzen.

Die Liebliche. Er führte sie ihren Dämonen zu.

Die Sinnliche. Wie ließ er sie an Logik leiden!

Die Unschuldige. Sie brach zusammen im Zeugenstand.

Die Starke. Ihren Willen zu brechen ein Genuß.

Allmählich brannte das Kaminfeuer nieder, das Bild über dem Kamin verblassend.
Sorgsam versammelte der alternde Lord seine Siege und Niederlagen, löschte die Feuer und legte sich neben seine Lady, das Grauen des nächsten morgens erwartend.
Tief unten schlummerten die sechs Lächeln der Arya Gionni,
das Einzige zwischen ihm und dem Abgrund.

Wie würde er sich entscheiden?
Katastrophe


Wasserknappheit bei Aldi!
Humanitäre Katastrophe droht!

Auf Grund der durch die hohen Temperaturen enorm gestiegenen Nachfrage kommen die Aldi-Brüder nicht mehr mit den Wasserlieferungen nach. Da es sich bei Aldi ja eigentlich nicht um eine Firma im herkömmlichen Sinne, sondern um eine karitative Einrichtung handelt, ohne deren knapp kalkulierte Preise hunderttausende in Nord und Süd längst verhungert und verdurstet wären, droht jetzt wegen der Knappheit massenweise Dehydration, ist somit von öffentlichem Interesse. Die Dürre hat, in einigen Zweigstellen, bereits zu Tumulten geführt, Lager wurden gestürmt und geplündert, Filialleiter bedroht!
Wie lange will die Regierung hier noch tatenlos zusehen? Statt die Bundeswehr in den Kongo zu schicken, sollten unsere Jungs zum Wasserpumpen eingesetzt werden. Zum Transport des so dringend benötigten Naß' müssen die Herkules zurückbeordert werden aus Kunduz, um hier drohendes Unheil abzuwenden!
Sollen tausende elendig verdorren, weil wieder mal nichts geschieht?
Wir fordern: Frau Bundeskanzler, greifen Sie ein!!!
Kleine Beziehung 21


Ich werde dich um mich kümmern.

Sonntag, Juli 23, 2006

Ozon ( Pic by Ry)


Ich las auf meinem Balkon
in der Zeitung vom üblen Ozon.
Damit sei nicht zu spaßen,
das Auto tunlichst zu lassen.
Eines jeden gute Tat:
beginn zu treten, ab aufs Rad!

Ich stieg auf mein Velociped,
zum Büro, kam zu spät.
Die Nase brannte,
die Atmung ging schwer,
sah vor Tränen die Straße nicht mehr.
Glitt als Umweltfreund dahin,
um mich her verbranntes Benzin.

Die Welt als Ganzes kam mir vor
ein einziger Verbrennungsmotor.
So dachte ich, das ist der Hohn,
ich mach mich kaputt, ihr Ozon?
Bin ich alleine so bescheurt,
wo jeder seine Karre steuert?

Mir stellt sich der Klimawandel nicht mehr als Frage,
ich fahre jetzt sportlich mit Klimaanlage.
Muecke


Ich war dabei seit Tagen,
eine Mücke zu jagen.
Als diese zu mir sprach:
"Du bist groß, ich so schwach.
Laß uns Freunde sein,
du bist stark, ich bin klein."
Gab mir das Versprechen,
niemals nicht zu stechen.

Sie hat den Schwur gebrochen,
mehrmals zugestochen.
Ich war nicht mehr verpflichtet,
habe sie vernichtet.

Die Moral von der Geschicht?
Glaub niemals keiner Mücke nicht.

Mittwoch, Juli 19, 2006

Motte


Zierliche Motte,
mach keinen Scheiß.
Flieg nicht so dicht,
die Kerze ist heiß.
Du solltest dich besser
nicht so verrennen.
Licht ist ganz schön,
doch Feuer tut brennen.

Dümmliche Motte,
du willst nicht verstehn,
da mußt du wohl
in der Hitze vergehn.
So schaffst du nie
ein höheres Alter.
Verglüh in der Flamme,
dämlicher Falter.

Freitag, Juli 14, 2006

Kleiner Krauter


Du hast einen kleinen Laden
und rackerst von früh bis um spät.
Langsam nimmt dein Rücken Schaden,
wen kümmert, wie's dir geht?
Es essen immer die Großen -
das ist ein alter Witz -
jeden Tag Braten mit Saucen.
Dir bleiben Pommes an Frites.
Nicht mal für ömmligen Ketchup,
wie es dir eigentlich frommt,
bringst du genügend cash up,
wenn das Finanzamt kommt.
Dann kommt auch noch die IHK
und das Ordnungsamt.
Die Krankenkasse war sowieso da,
dein Konto verliert den Verstand.

Die Bank schickt dir schon Briefe,
mit schwarzem Rahmen drum.
Deines Kontos Tiefe
riecht nach Beerdigung.

Du weißt nicht ein, du weißt nicht aus
und fragst einen schlauen Berater.
Der rät dir nur:
verklopp dein Haus
und dein Erspartes für spater.
So trinkst du dir einige Biere
und folgst dem inneren Trieb:
geh doch auf alle Hartz viere
und schließe den Betrieb.
Das Leben ist auch ohne Rente
nicht zu Ente.

Donnerstag, Juli 13, 2006

Maenner mit Maschinen


Es freut sich sehr
ein deutscher Mann,
wenn er an etwas
fummeln kann.
Bohren, stemmen, schrauben, kleben,
dann und wann
ein Rohr verlegen,
sind das größte ihm
im Leben.

Männer mit Maschinen
machen immer erst mal Krach,
Chaos, Lärm und Dreck.
Früh um 7 alle wach.
Dann sind sie wieder weg.
Frühstück holen, Zeitung lesen.
Kaum denkt man, das wärs gewesen,
geht schon mal und holt den Besen,
geht es wieder los mit fräsen
und mit feilen
und mit glätten.

Dann fehlt es an Zigaretten.
Und am ersten Bier.
Es ist schon zehn.
Sie sind noch lange hier.

Ruht man aus
weil Mittagszeit,
sind zum Zweitschlag sie bereit.
Mit dem Preßlufthammer.
Auf und nieder, immer wieder,
zucken Glieder,
tönen Lieder,
aus dem Kofferradio.
Radio macht Männer froh,
übertönt Gejammer.

Ham sie dann, zur Abendzeit,
Loch an Loch an Loch gereiht,
packen die Maschinen ein,
fahren pfeifend in ihr Heim,
hinter sich ein Haufen Schutt,
sind sie stolz und fühlen gut.
Essen, baden, ruhen Glieder.
Morgens um sieben
kommen sie wieder.
Ratschlaege an einen Suizidisten


Erfolgreich wird der Lebensschluß,
durch freien Fall in tiefen Fluß.
Es ist dein Elend bald vorbei,
teilst du den Pool mit einem Hai.
Ist dein Zustand dir egal,
iß rohes Fleisch im Hühnerstall.
Hast du dieses Leben satt,
expedier dich in den Tschad.
Wirst du des Lebens nicht mehr froh,
mach holiday in Guantanamo.
Geht dir das Leben auf den Senkel?
Nimm Arsen mit Trocken Henkell.
Ist's dir hienieden viel zu eng?
Nimm eine Knarre und mach Päng.
Nichts hält dich auf dieser Welt?
Latsch doch durch ein Minenfeld.
Sehnst du dich in deine Gruft?
Spreng final dich in die Luft.
Kleine Beziehung 19


Ich hör so gerne zu, wenn ich mir von dir erzähle.
Kleine Beziehung 18



Du weißt auch nicht, was ich will.
Kleine Beziehung 17


Warum soll ich mich um mich kümmern, du tust das doch schon.
Kleine Beziehung 16


Für dich ist auch noch Platz in der großen Galerie meines Herzens.
Kleine Beziehung 15


Ich stör dich nur gerne, aber könntest du etwas lauter schweigen?
Kleine Beziehung 14



Ich gebe uns die Schuld, daß es mit mir so weit gekommen ist.
Kleine Beziehung 13



Ich habe mir das blaue von deinem Himmel versprochen.
Kleine Beziehung 12


Ich werd dir helfen, soviel du kannst.
Kleine Beziehung 11


Toll, dein neues Kleid. Du würdest aber auch in einer blauen Mülltüte gut aussehen.
Kleine Beziehung 10


Ich habe mir die besten Jahre deines Lebens geopfert.
Kleine Beziehung 9



Laß uns gemeinsam alt und krank werden.
Es tut weh


Es tut weh.
Es tut schön weh.
So schön,
so weh
es auch tut,
wie sehr
es auch schmerzt,
ist es irgendwie
auch wieder schön
Schmerzhaft, wenn es
nicht einmal mehr wehtut,
ist es vorbei.
Zizou



Was ist Zidane wohl so zu Kopf gestiegen, dass er nicht mit einem geschürzten Schwinger reagiert hat oder mit einem Tritt in die Kehrseite? Anscheinend sind die Worte Materazzis ihm so zu Herzen gegangen, dass er versucht war, die Pumpe seines Kontrahenten zu treffen. Schade, menschlich und Fußballtypisch, so ein unrühmlicher Abgang, aber psychologisch bestimmt zu erklären. Vielleicht sollte man Zidane das Amt des deutschen Bundestrainers andienen, dann könnte er sich an Pöbeleien gewöhnen.

Mittwoch, Juli 12, 2006

Kleine Beziehung 8


Ich möchte dich in mir Selbstverwirklichen.
Ich möchte mich in dir Selbstverwirklichen.

Montag, Juli 03, 2006

Der Patriarch


Der Patriarch lag sehr im Sterben,
um ihn herum der Kinder Schar,
in der Hoffnung, was zu erben,
nicht ahnend, dass er pleite war.
Da sprach er - es war kaum zu hören -
"Ihr lieben Kinderlein, lauscht zu,
ihr sollt nicht meine Worte stören
und danach will ich meine Ruh."

"Ich triebs im Leben ziemlich wild,
ein heißer Feger bin ich gewesen.
Jetzt bin ich eher altersmild,
mehr so ein zahnloser Besen.
Nun will ich meinem Lieblingssohn,
noch im Vertrauen was sagen.
Ihr anderen, schleichet euch davon,
ihr könnt ihn nachher fragen."

Und als hinfort die Kinderschar,
erhob die Stimme der Alte:
"Was ich jetzt sage, das ist wahr,
so hör es und behalte.
Das Ziel erreichen ist nicht leicht,
das Ziel ist, zu gewinnen.
Doch strebst du stets, wird es erreicht,
das merke dir, tief innen."

"Diese Welt ist grauenhaft,
schwer nur zu gestalten.
Drum sei du der, der Grauen schafft,
sei strenge im Verwalten."
"Und -" so sprach der greise Vater,
sterbend an Geiste und Glied.
"Lern was gescheites, werde Diktater."
Verstummte und verschied.
Wm 2006


Das Leben ist ein Kurzspaßspiel,
es endet mit Lamento.
Wenn du erreichen willst dein Ziel,
spiel presto
und nicht lento.