Donnerstag, April 30, 2009

Hinaus zum



Wackersteine haben Ausgang,
über alles Karneval.
Weine nicht beim Wasserwerfen.
Für ein gegen dieses
nieder die es lebe hoch
der Kampf mit uns nicht
weiter so zur Front ya Basta!
Brennt die Hauptstadt,
bunt gefackelt?
Kinderspiel: Revolucion.

Samstag, April 18, 2009

Romanze



Neulich ging die alte Dame
in den Park, um zu spazieren.
Sah dort auf die jungen Burschen,
wie sie um die Teiche liefen.

Späte Sehnsucht unterm Rocke,
an den Stöcken welkten Rosen,
sank sie nieder auf die Parkbank,
neben Herrn Professor Weyen.

"Ach", hört er sie leise seufzen,
"einmal noch und dann ist Ruhe",
schloss er sanft sie in die Arme
und begann sie zu liebkosen.

"Nimm mich hart, du geiler Stecher",
rief sie und begann zu hecheln.
Ihr Gebiss flog in die Büsche
und die Brille war beschlagen.

Sportlich sprinten junge Menschen
durch den Park, um zu trainieren.
Rollatoren stehn am Wegrand,
friedlich ruhen Senioren.

Mittwoch, April 15, 2009

verstehung



bilde mich zum schüler aus in tiefen
lehren wir uns besser kennen
nicht. spielen später am system
um brüche wachsen,
stacheln sich aus puzzeln
über hirne finden sich
genügend feinde.

Dienstag, April 14, 2009

Kahlschlag



Nie mochte ich ihn wirklich leiden,
er wirkte freundlich, doch war er gemein.
Versprach stets, vorsichtig zu schneiden
und -Schwupps- fiel alles hinten rein.

Haare im Nacken, sie jucken und kratzen,
wütende Katzen mit krallenden Tatzen.

Im Spiegel ein Anblick wie noch nie,
verstümmelt, geschoren, entstellt,
glich ich der Leiche von Mecki,
von Straßenkötern verbellt.

Die Mode zog weiter mit mächtigen Schritten,
nur zog sie leider an mir vorbei.
Wie habe ich unter Faconschnitt gelitten,
man trieb zum Friseur mich mit lautem Geschrei.

Nun bin ich endlich, nach so vielen Jahren,
von Schere und Kamm und Pomade befreit.
Bei dem, was mir bleibt an wenigen Haaren,
brauch ich euch nicht, Figaros, tut mir leid.

Spiegelnde Glatzen, kein jucken und kratzen,
schnurrende Katzen mit zärtlichen Tatzen.

Böse Buben



Böse Buben kriegen, was sie wollen.
Brave Knaben kriegen auf die Fresse.

Jagt dich auf dem Dreirad durch den Stadtverkehr,
ist schon da, wohin du fliehst und kommt dir quer.
Du fragst die Polizei: Ja, was will denn der
miese Mutterficker mit dem Pumpgewehr?

Ihm macht die Welt sein junges Leben schwer,
keiner hat ihn lieb und darum rüpelt er.
Er zielt, drückt ab, hallo, da kommt nichts mehr,
mieser Mutterficker, flieh, dein Tank ist leer.

Du denkst an Rache, denkst an Gegenwehr,
wo kriegst du wohl die dickste Wumme her?
Dann stehst du endlich vor ihm und du bist wie er,
mieser Mutterficker mit 'nem Pumpgewehr.

Hoch die Hyazinthe



Lasst tausend Narzissen
ringsum erblühen,
jeder Krokus ein Schlag
in die Fratze der Nacht.
Schneeglöckchen, lass
das Eisjoch verglühen,
Vorwärts ihr Primeln,
brecht Winters' Macht!

Sorry



An manchen Tagen schwört sich ein Mann:
Ich lass das jetzt bleim mit die Weiber.
Aber bald fängt alles von vorne an,

weil er einfach niemals wegschauen kann,
die Haare, Brüste, die Leiber.
An manchen Tagen schwört sich ein Mann:

Ich werde serjös und Ende mit Fun,
ich installier mir einfach neue Treiber.
Aber dann fängt alles von vorne an,

weil er muss immer gleich mit die Finger dran
und weiter, er ist ja kein Bleiber.
An manchen Tagen beschwört ein Mann

die alten Zeiten, bevor das begann,
noch vor diesem elenden Zeitvertreib. Er
fängt bald wieder von vorne an.

Wer war es denn, der das Spiel ersann,
die Regeln festhielt als Schreiber?
An manchen Tagen schwört Schluss ein Mann,
doch bald fängt er wieder von vorne an.

Abgesang



Komm mir zu Hilfe, bester Freund,
ich brenne in die Wolken öffnen sich
und steige höher auf den Stufen
aus gebeugten Rücken.
Weit oben, über Schatten spähen wir
und nehmen, was uns keiner geben will
im Tausch für das, was wir nicht brauchen.
Nadelspitze Silben biegen Seelen
auf in eine Zukunft liegt im weiter. Oben
angekommen, blicke nicht zurück
auf leere Augen, Hände ziehen dich hinab
in enge Schluchten stürze dich und mich
erwarten keine guten Zeiten.

Zahltag




Wir ließen die Motoren noch einmal aufheulen, dann war es still auf dem Dorfplatz. Keiner zu sehen, die Fenster geschlossen, einige Läden mit Brettern vernagelt, auf den Tischen der einzigen Bäckerei standen noch Tassen und Teller. Kalter Kaffee und angebissene Brote. Unser Besuch war offensichtlich angekündigt, aber groß konnte der Vorsprung der Bewohner nicht sein. Wir traten einige Türen ein und sahen in den Kellern und unter den Betten nach, niemand zu sehen. Nachdem wir unsere Vorräte aufgefrischt und getankt hatten, steckten wir den Ort in Brand, ein hübsches Feuer, kilometerweit zu sehen. Das wird sie lehren, dachte ich, während wir langsam über schlechte Wege in die umliegenden Hügel fuhren. Es war früher Nachmittag, aber die Bergkette im Westen warf schon lange Schatten, so dass wir die Suchscheinwerfer einschalten mussten, um etwas sehen zu können zwischen dem dichten Gestrüpp und den Laubbäumen. Hans, unser Fährtenleser, wies auf einige abgebrochene Zweige. Hier lang waren sie gegangen, vor ungefähr drei Stunden. Wir gaben Gas und unsere Geländemotorräder brachten uns bald zu einer Lichtung. Hier hatten die Flüchtenden ihr Gepäck gelassen, aber das liessen wir liegen, für später.
Hinter einer Kurve fanden wir sie dann, ungefähr einhundert Personen, die meisten davon unbrauchbare alte Männer und Frauen. Typische Opfer, mit denen sich nichts anfangen ließ, keine Gegenwehr, stille Ergebenheit, kein Marktwert. Wir ketteten die jungen Mädchen aneinander, töteten die Jungen und machten uns auf den Weg zurück, um aus den Habseligkeiten auf der Lichtung die Wertsachen herauszusuchen. Warum nur machen uns diese Dörfler immer die Arbeit so schwer? Sie wissen doch genau, dass wir den Tribut holen. Vor uns kann sich keiner verstecken.

Im Soll



Wen in der Nacht die Zahlen quälen,
der fühlt sich morgens frisch verendet.
Kann kaum noch seine Qualen zählen.

Wie wird er seine Seele stählen,
wenn pausenlos der Funk versendet:
Wen in der Nacht die Zahlen quälen,

soll mit dem Teufel sich vermählen,
der hat sich selber schon geschändet,
kann kaum noch seine Qualen zählen.

Da hilft kein Köpfen und kein Pfählen,
selbst Blinde sehen, die geblendet,
wenn in der Nacht die Zahlen quälen.

Es tanzt in abgebrannten Sälen
ein Trupp Verlierer, frisch gepfändet.
Wer will wohl dessen Qualen zählen?

So tönt im Chor und in Chorälen:
Wer Schulden dulden will, beendet
nie die Nacht, in der die Zahlen quälen.
Der muss für immer seine Qualen zählen.

Meckermännchen



Wie kannst du nur so grantig sein?
Es scheint grad so, du wärst es gern.
Und selbst im schönsten Sonnenschein,
wie kannst du noch so grantig sein!
Nur scheinbar dienst du deinem Herrn,
du wärst gern selbst der hellste Stern.
Und dafür musst du grantig sein.
Es scheint fast so, als wärst du's gern.

Dienstag, April 07, 2009

Mechanischer Garten



Die Frau mit dem veschiedenen Gesicht
sitzt schon seit Stunden regungslos auf ihrer Bank
am Teich, von dessen Grund Gedankenblasen quellen,
torkelnd steigen, lügen Blumen ihre Düfte
in die Luft verbluten Stunden Farben
auf den Straßen ohne Namen für den Weg
durch einen langen Tag.

Sagt aus den Furchen die Vergangenheit vorher
ein Wort, sich selber namenlos geworden,
beim letzten Aufstand ging sie unter
ungelöste Rätsel trägt ein Sturmwind über Land
die Spur der Diebe von zu viel zu wenig
Samen kann man trauen, keinem Satz
bleibt es, zu fruchten wo er mag.