Dienstag, November 29, 2005

Samstag, November 26, 2005

Liebes Tagebuch 1


Liebes Tagebuch,
ich weiß, ich wollte und sollte es eigentlich nicht mehr tun, aber es gibt so Tage und Ausnahmesituationen, da fällt man rück, da gibt es kein Halten, da sieht man fern. Ich habe eine Folge von "Deutschland sucht den Superstar" gesehen und ich muß sagen, mit schlechtem Gewissen und großem Gewinn. Ich habe Antworten auf einige Fragen und Fragen zu einigen Antworten gefunden, die mich schon lange umtreiben.
Warum tun Menschen sich so etwas an? Warum tun sie mir so etwas an? Warum lassen sich Menschen tonfilmen, während sie Laute absondern, die man Gesang nicht nennen kann? Ist es, weil Mami immer gesagt hat: "Du singst aber schön, aus dir wird mal ein Superstar!",? Ist es die Rache an Papi, der nie da war und wenn, dann keine Zeit hatte, daß man Dietmar Bohlen, quasi als bezahlten Papi-Ersatz, zwingt, sich elendes Gejaule anhören zu müssen? Ich hatte immer gedacht, der wäre so arrogant, aber bei diesen Darbietungen sind seine Kommentare eher noch zurückhaltend. Das, was er jetzt erduldet, ist die Rache für die Vergehen an der Musik, derer er sich schuldig gemacht hat, solo und in Täterschaft mit der singenden Herrenhandtasche Anders.Was allerdings die zur Seite gestellten anderen Juroren, der Kölner und die Blonde, abzubüßen haben, weiß ich nicht, es müssen jedoch schwere Verfehlungen gewesen sein, daß sie schon im Leben dafür in der Hölle schmoren müssen.
Oder ist diese Fehleinschätzung eigener Möglichkeiten bei den Kandidaten Ergebnis des frühkindlichen Trainings, bei dem Eltern ihre Kinder fremden Menschen zur Dressur vorwerfen? Natürlich müssen diese Trainer so tun, als wären die ganzen hoffnungslosen Kröten irgendwie begabt, anderenfalls verlören sie ja ihren Job. Oder wie sonst kann man jemandem beibringen, derart 100prozentig zu seiner eigenen Talentlosigkeit zu stehen? Folter? Drohung? Versprechungen?
Oder ist es die Überlegung seitens der Aspiranten, daß so einen Scheiß wie Bohlen jeder machen kann? Natürlich kann jeder Scheiß machen, aber nicht jeder ist damit erfolgreich.
Zum Schluß, liebes Tagebuch, eine Frage, die mich seit dieser Sendung nicht mehr losläßt: was sind die Folgen der Gehirnwäsche, der man sich aussetzt, während man ihre Auswirkungen beobachtet? Doch dazu später mehr.
Mutantenmuenze 1 (Text Rydiger)


Er hatte sie. Und da er wusste,zu was sie in der Lage ist, wickelte er sie in Aluminiumfolie und steckte das Tütchen noch in einen Gefrierbeutel. So geschützt transportierte er sie, tief in seiner Jackettinnentasche verborgen. Ein Monster von Münze, eine Bombe.

Sicher, es war nicht einfach, an sie zu gelangen. Mutantenmünzen sind schwer zu kriegen, und dann noch so ein Prachtexemplar. Aber die jahrelange Jagderfahrung half ihm. Er wusste, wann man unschuldiges Geld opfern muss, um sie zu locken. Und noch viel wichtiger – wo man es deponiert. Seine Fallen hatte er in der ganzen Stadt ausgelegt. Einige funktionierten prächtig, brachten aber immer nur Massenware an Killermünzen. Trottelige Dinger, die sich von Zeit zu Zeit selber umbringen oder sich gegenseitig zerspanen. Die gerisseneren, wirklich gefährlichen fängt man nur in der Dunkelheit. Er hatte lange darüber nachgedacht, bis ihm die zündende Idee kam: im Abwasserkanal. An einer möglichst trockenen Stelle. Nach einigen Tagen unter der Erde fand er den optimalen Platz. Und Opfer über Opfer. Krummes, verbogenes, bis zur Unkenntlichkeit deformiertes Metall. Einstmals brave Münzen, heute kaum mehr das Material wert, aus dem sie entstanden waren. Ja, dies war der richtige Platz.

Das dumme an den gefährlichen Killermünzen ist, dass sie gefährlich sind. Und schlau. Nachdem er nun den richtigen Platz hatte, stand er vor dem nächsten, nicht minder großen Problem: wie fange ich so ein Biest? Nun, mit Speck fängt man Mäuse, mit Honig lockt man Bären und mit Kleingeld lockt man Monster. Die Maus kommt in einen Käfig – fertig. Der Bär wird geschossen – auch fertig. Aber die Münze? Aus Erfahrung wusste er, dass sie Hitze hassen wie der Teufel das Weihwasser. Also installierte er akkubetriebene Infrarotstrahler. Rund um seinen friedlichen Münzhaufen. Gesteuert von einem Bewegungsmelder, der gleichzeitig eine SMS an sein Mobiltelefon senden würde, würden die Strahler anspringen und augenblicklich wohlige Wärme verbreiten.

Und es funktionierte. Nach zwei Wochen kam die ersehnte SMS: KILLER AN BORD. Der Rest war so einfach wie Blumen pflücken. Rein in den Kanal, einen Kilometer gebückt laufen und die erstarrte Killermünze einpacken. Sie vibrierte zwar, als ob sie unter Strom stünde, war aber wegen der Hitze außerstande, irgendetwas von ihrer aufgestauten Wut an die Außenwelt abzugeben.

Nun ist sie sicher verpackt und von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Schläfermünze in Lauerstellung. Brandgefährlich. Und ein Vermögen wert. Jetzt konnte er endlich mit der Verwirklichung seines Planes beginnen. Die Jahre des Wartens hatten ein Ende.


Fortsetzung folgt
Eine Ausstellung, die man nicht versaeumen sollte:

http://www.im-schatten-der-maske.blogspot.com/

Montag, November 21, 2005

Gebt uns euer ganzes Geld!


Nach eher zögerlichen Anläufen hat sich die große Koalition endlich zu einer wirklich modernen, zukunftsweisenden Finanzpolitik durchgerungen. Statt nur Teile der Einkommen zu besteuern, wird in Zukunft einfach sämtliches Geld von den Finanzämtern eingezogen. Jeder Bürger hat dann das Recht, bei Bedürftigkeit einen Antrag auf Zuteilung von Barmitteln bei seinem ihm zugesellten Finanzbegleiter zu stellen. Das Amt prüft und entscheidet nach Kassenlage. Dadurch ist u.a. sichergestellt, daß wir die sauer verdienten Taler nicht länger für unnötiges Zeugs vergeuden, da genau Buch darüber geführt wird, was wir von wem wann warum kaufen wollen.Ein ausgeklügeltes Computerprogramm entscheidet dann, ob tatsächlicher Bedarf besteht. Ende der Verschwendung!
In synergetischer Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit wird eine Hälfte der steuerpflichtigen Bevölkerung zum Finanzbegleiter umgeschult, der Rest wird begleitet. Ende der Arbeitslosigkeit!
Vor den Finanzämtern werden Suppenküchen eingerichtet, in denen es für jeden eine warme, schmackhafte und gesunde Mahlzeit pro Tag gibt. Der Essensplan wird in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbeamten erstellt, so dass wir alle wieder gesünder leben. Fitter statt fetter!
Diese warhaft innovative Finanzpolitik wird zu mehr Wachstum und Wohlstand führen, Deutschland wird wieder einen Platz unter den führenden Nationen einnehmen, es geht voran!
Um die Verwaltung zu vereinfachen, wird das Land künftig in Zonen eingeteilt. Der komplette Osten wird zur 1-Euro Zone, das Ruhrgebiet zur 1,99 Kleinpreiszone. Das System ist gestaffelt bis zur Grenze von 5 Euro, mehr braucht keiner!
Angebot und Nachfrage werden geregelt vom neu zu schaffenden Ministerium für Marktpläne.
Das Regierungsviertel in Berlin und die Finanzbeamtensiedlungen werden von sämtlichen Regelungen freigestellt. Ende der hohen Preise!
Um gegen zu erwartende Verfehlungen vorzugehen, werden wieder Steuerschuldnerstraftürme eingeführt. Außerdem sind Steuerschulden ab sofort zwangsvererblich bis ins siebte Glied. Steuerpflichtig ist hinfort jegliches Einkommen zu 100, Gewinn zu 150 Prozent. Ende der sozialen Kälte!
Und wenn der Rest der Welt das wieder nicht verstehen will, werden wir es ihm wohl beibringen müssen. Als Unterabteilung des Heeres wird eine volatile tax evasion task force (VOTETFOR) eingerichtet, der die modernsten Mittel der Nachrichtenbeschaffung zur Verfügung gestellt werden. In einer speziellen Ausbildung zu Klägern, Richtern und Henkern geschult, wird diese Gruppe dafür Sorge tragen, daß keine Ausnahmen mehr geduldet werden.
Ende der Fahnenstange!

Donnerstag, November 17, 2005

Outpost


I can't remember tomorrow,
forgot it yesterday.
I have to leave here at once,
to be able to stay.

I treat my friends as enemies,
am friendly with my foes.
Of reasons and realities,
I've had an overdose.

I ride a horse beyond the stars.
understand the nutters.
My best pal is an entity,
who talks in tongues and utters

of times to come,long gone to stay.
I learned to wait and see
who is my partner that pretends
to be my enemy.

Mittwoch, November 16, 2005

Liberate


We could water down our drinks
in the restroom.
We could hike a ride
or steal a bike.
We could smoke banana peels
and feel higher.
Should we quit our jobs
and go on strike?

We could melt our coins
and burn the cheque-books.
We could paste our banknotes
to the wall.
We could ruin globalization,
stop the free trade.
Let the bankers stumble,
make them fall.

We could trust in demons
that are god-like.
We could bite our tongues
and still be blind.
We could go on endless journeys,
follow leaders.
It takes me
to liberate my mind.

Montag, November 14, 2005

Abschied



Ich schwitzte in den Läufersachen
und hörte fern die Säufer lachen.
Nun ist es gut mit Dauerlaufen,
ich will mich mit euch breiter saufen.
Und spar euch jetzt die Reisekosten,
in eurem Kreise will ich rosten.
Nun muß ich nicht mehr mühsam wachen,
und mich nicht mehr wichtig machen.
Ab heut ist Schluß mit heimlich schalten-
ab jetzt werd ich die Schnauze halten.
Hoffentlich.

Donnerstag, November 10, 2005

Maske


Wenn ich meine Maske hätte,
schöss' ich mir in die Rosette.
Anthropologie



Der bekannte Anthropologe Antonius Nabatäus von Hardstängl beschreibt in seinem jüngst veröffentlichten Feldforschungsbericht ein nicht neues, jedoch immer mehr zunehmendes Phänomen. Bei seinen in bekannten Duisburger Discotheken nach der Methode der teilnehmenden Beobachtung durchgeführten Studien fand er heraus, daß der Mensch, besonders in der Adoleszenz, durchaus in der Lage ist, komplett ohne Gehirn auszukommen. Einige der von von Hardstängl untersuchten Probanden hatten eine Art Dummy im Schädel, bei anderen war es durch die Rückbildung der ursprünglich vorhandenen Gehirnmasse zu einer kritischen Verdichtung gekommen, bei der sich Anti-Gedanken entwickeln, die im Zusammenprall mit Gedanken eine Kettenreaktion bewirken. Dabei kann es zu so etwas wie einem Unknall kommen, wobei ungeahnte Kräfte freigesetzt werden.
Im Rahmen mehrerer Selbstversuche verbrachte von Hardstängl einige Nächte im direkten Kontakt mit den beobachteten Objekten. Hier ein Ausschnitt aus seinen Notizen:
"Eines Freitags abend befand ich mich auf einer sogenannten "Tanzfläche", wobei ich feststellen mußte, daß kaum an Bewegung zu denken war. Ich fand mich umzingelt von Kaugummikaumaschinen, die, hätten sie sich noch langsamer bewegt, zu Stalgmiten erstarrt wären. Ebenfalls vertreten waren einige sogen. Handtäschchenmädchen, die, im Kreis herumwandernd, gelegentlich ihre Handys hervorkramten, was angesichts der in der einen Hand gehaltenen Zigarette und dem an der anderen Hand montierten Glas einigermaßen kunstvoll schien. Durch eine noch zu untersuchende Gruppendynamik befeuert, gelang es ihnen, ihr Handy hochhaltend, Bilder der "Tanzfläche" zu schießen, welche sie sofort an ihre Freundinnen sandten nebst dem Vermerk "hier tanz ich grade". Die Freundinnen waren allesamt auf der Tanzfläche versammelt.
Faszinierend auch die männlichen hirnlosen. Im Bemühen, ihre wesentlichen Anliegen nicht zu vergessen, hatten sie ihre T-shirts beschriftet: "Suck my dick", "Dressed to kill every desire", "Meine Leber möcht ich nicht haben" usw. Erstaunlicherweise waren diese Individuen sogar in der Lage, an Sprache erinnernde Laute von sich zu geben. So bekam ich von einem, die halbe "Tanzfläche" blockierenden breitbackigen Testosteronriesen auf die Bitte, sich doch davon zu beheben, nach einiger Zeit die Antwort "Tanz doch um mich rum". Da es bereits 4h in der Früh war, hätte die Zeit bis Feierabend nicht mehr dafür gereicht.
Die Versorgung mit Speisen und Getränken gelang diesen Hominiden hervorragend, ausreichend und elegant: "Bull-O", "Vollmachen" und "NurFleisch".
Zusammenfassend glaube ich nicht, daß wir uns um den Standort Deutschland Sorgen machen müssen, wenn auch weitere Forschungsarbeit vonnöten ist. Ich stehe dafür gerne zur Verfügung."

Mittwoch, November 09, 2005

Genau wie Du


Ich bleibe an der Kreuzung stehen,
alle erscheinen wie du.
In endloser Reihe
zieht vorbei dein Gesicht.
Lächelt dein Lächeln,
lacht dein Lachen,
genau wie du.
Und gleicht dir nicht.

Am Anfang des Satzes bleibe ich stecken,
alle Worte lauten wie du.
In allen Büchern,
nur ein Wort,
klingt wie du,
spricht wie du.
Genau wie du
und echot immerfort.

Ich bleibe am Gartentor stehen,
alle Blumen duften wie du.
In allen Farben,
nur dein Ton.
Leuchtet wie du,
scheint wie du.
Genau wie du,
verblasst er schon.

Donnerstag, November 03, 2005

Regierungserklaerung


Nachdem sich alle am Regieren Beteiligten ausreichend erklärt haben, wurde die oben stehende Regierungserklärung verabschiedet. Die schwierige Aufgabe, jedem betroffenen Bevölkerungsteilnehmer zu erklären, warum gerade ihm ein Silberstreif am Horizont scheint, meisterten die übrig gebliebenen Vertreter des Volkes mit einer überzeugenden Mischung aus Chuzpe und Hilflosigkeit.
In diesen merkwürdigen Zeiten ist es keineswegs selbstverständlich, daß sich Individuen in die Niederungen der Administration herablassen. Genau deshalb sollten wir jedem dankbar sein, der die schwere Bürde auf sich nimmt, uns zu regieren.
Um unsere künftige Herrschaft zu unterstützen, schlage ich also vor, beiliegende Erklärung mit dem Vermerk "Einverstanden" und einer Unterschrift versehen, an das Bundeskanzlerinnenamt zu senden.