Freitag, Dezember 30, 2016

Letzte weiße Weihnacht


Die letzte Kerze neigt sich ihrem Ende zu,
sie schrumpft, ein wenig Stearin läuft
auf die nächste Nordmanntannennadel.
Die Flamme blakt nur kaum,
ein leiser Zug weht durch den Raum.
Jetzt fasst das bißchen Feuer sich ein Herz,
entflammt die Nadel, dann den Zweig,
den Ast, den Stamm und dann
Inferno in dem festlich fein geschmückten Zimmer.
Kein Wächter da und die Geschenke schmelzen schnell.

Donnerstag, Dezember 22, 2016

Planierrautenpolitik


Nach den Vorkommnissen in letzter und vor den Vorkommnissen in nächster Zeit fragt man sich: Was haben die Herrschenden an Vorteil von der gegenwärtigen Situation? Wem nutzt es, dass die Verhältnisse ins Wanken geraten? Wo ist das Geld?
Merkel hat gesagt, sie habe einen Plan. Diese Aussage hat sie bis jetzt nicht zurückgenommen. Nun könnte man sagen: Hat sie keinen Plan, bleibt es schlimm. Hat sie einen, wird es schlimmer.
Die RAF hatte den Plan, das System durch Attentate zu destabilisieren und einen Bürgerkrieg herbeizuführen, revolutionäre Zustände zu schaffen. Folge waren Verschärfungen der Notstandsgesetze, Rasterfahndung, verstärkte Überwachung. Ähnliche Pläne kann man auch den Genossen von rechts unterstellen, die sind jedoch selbst für sowas zu dämlich.
Solch eine "große Transformation" kann man aber auch von oben herbeiführen: Schaffen einer Krisensituation, Ausnahmeregelungen, Ausrufung des Notstands, Ermächtigungsgesetze, Abschaffung demokratischer Freiheiten, Etablierung einer Einheitspartei, Diktatur des guten Gewissens. Nach dem großen Knall folgt dann die Kehrwoche.
Ob die Merkelisti damit durchkommen? Es könnte an uns liegen.

Sonntag, Dezember 18, 2016

Morgenkreis





Jetzt setzen wir uns in den Morgenkreis
und reichen uns die Hände,
die jeder sich gewaschen hat nach dem Toilettengang
und singen den früh und froh und jubilierenden Gesang:
Wir wollen sie, wir können sie, wir schaffen sie, die Wende,
dann hat die Ungerechtigkeit ein Ende,
frohlocken werden Säugling, Teenager und Greis.

Und gerne zahlen wir den Preis
für unser Ende.

Mittwoch, November 30, 2016

Spiele


Ich spiele Memory mit einer Karte,
Schach ohne König,
Skat ohne Blatt,
und ich gewinne immer
oder bin Matt.
Egal, wir zählen ohne Zahl,
die Zahlen sollen sich erzählen,
was sie wollen.
Ich mach sie platt.

Freitag, November 18, 2016

Das Original ist die Fälschung der Kopie


Das Licht geht niemals aus im Amt für Anmaßung,
Befugte stempeln Unbefugte in ihr gutes Recht.
In Zumutungsräumen feilt man an gerechter Bespaßung,
auf der Holzwegsverwaltung pickt sich müde ein Specht.

Derweilen gehts rund im Relativierungsbüro,
man spielt dort eifrig "Geld versenken",
und fragt sich weshalb, wofür und wieso
sollte man den Schotter nicht verschenken?

Die Antwort liefert der Antwortminister:
Die Fragen sind falsch, sowieso -
er schüttet Benzin aus dem Antwortkanister.
Verbrenn, altes Rom und sei froh.

Die Staatssekretärin für schwierige Zeiten
wird uns auch hierdurch sicher begleiten.


Sonntag, November 13, 2016

Was tun


Verschwörungstheorien könnte man verlachen,
die bieten doch nur Raum zum Glauben.
Da könnte man, da sollte man, da würde man was machen.

Zum Beispiel einen Shitstorm zu entfachen
und einem Gläubigen den Glauben rauben.
Verschwörungstheoretiker sollte man verlachen.

Wer weiß, eventuell muss es mal wieder krachen,
man reißt den Granden vom ergrauten Schopf die Hauben.
Das könnte man, das sollte man, das müsste man mal wieder machen.

Und unterm Teppich liegen viele fortgefegte Sachen,
an denen hieße es zu schrauben.
Verschwörungstheoretiker sind immer auszulachen.

Man räuchert aus das Nest der Drachen,
es stellt sich raus: Das waren Tauben.
Was kann, was soll, was muss man jetzt noch machen?

Man nutze falsch betonte Sprachen,
zieht sich zurück in kaum beheizte Lauben.
Dort kann man die Verschwörungstheorien laut verlachen
und muß und soll und wird nichts machen.

Montag, November 07, 2016

Die Möglichkeit epochalen Scheiterns


Wir wären nicht die erste Gesellschaft, die ihre Zivilisation schrottete. Der Knall aber wäre 
unvergleichlich lauter.

Mittwoch, Oktober 26, 2016

Horrorclowns


Man hüte sich vor denen, die sich nicht erst verkleiden müssen, bevor sie auf die Straße gehen.

Montag, Oktober 03, 2016

Frau Medusa



Sie wankt mit ihrem leeren Einkaufswagen
von Lidl durch kaputte Straßen,
umfährt die Löcher im Asphalt und blickt
in blinde Fenster. Auf den Dächern, Ampeln,
sitzen Raben, die warten auf Gefallene
zum Abendmahl. Sie denkt an früher,
bessere Zeiten, bevor Banausen ihr Land versenkten.

Jetzt bekommen sie ein anderes Land
geschenkt. Na und? Das haben sie davon.
Auch wenn ihr Hosenanzug fadenscheinig wird, sitzt die Frisur
wie aus Beton gegossen
und im Takt zum Schlurfen ihrer Füße murmelt sie:
Wir schaffen das! Wir schaffen das!

Montag, September 19, 2016

Viertel vor nach



Im Amt für Amtsanmaßung herrscht heute Hochbetrieb bei Nacht,
die nächste Katastrophe wird passend gemacht
mit Herz und Hirn und mit Bedacht.

Man achtet streng auf Qualität, das Beste für das Land,
vermittelt das Ergebnis mit Gefühl und manchmal,
wenn es sein muss,
auch mit strenger Hand.

Also erfasst das Volk ein einiges Streben,
sich bedingungslos dem Guten, Wahren, Schönen hinzugeben:
So ist man besser vorbereitet auf kommende Beben.

Dann kommt, zu guter Letzt, der letzte Superheld,
verschenkt aus leeren Händen Supergeld.
Selbst wenn es echt ist, ist es falsch.
Es kostet nur die Welt.

Und wer jetzt meint, er müsste protestieren,
dem könnte etwa alternativlos etwas passieren.
Man sollte das von daher besser nicht probieren.

Samstag, September 10, 2016

Alternativlos


Das geht nicht anders, weil, das wird jetzt so gemacht,
weil, ginge das jetzt andersrum, dann gute Nacht.
Das haben wir in aller Gründlichkeit bedacht
und was das jetzt im Volk entfacht,
das wird verleumdet und verlacht.

Das Zögern, Zaudern, Denken hat es nicht gebracht,
jetzt eben heftig, nicht mehr sacht.
Wir stehen Hand in Hand, gebannt, vor diesem tiefen Schacht.
Jetzt springt ihr oder fallt, befiehlt die Macht.

Sonntag, August 14, 2016

Durchhalten!


Durchhalten!

Das schaffen wir,
wenn alle nur ihr bestes geben,
dann blüht uns was im Jetzt und Hier.

Es landen Boote an der Pier,
die bringen uns ein neues Leben.
Das schaffen wir.

Genau gesagt: Das schafft jetzt ihr.
Voran, auf, auf und frisches Streben,
dann blüht uns was im Jetzt und Hier.

Da fühlt man nach dem sechsten Bier
ein innerlich gerechtes Beben:
Das schaffen wir!

Denn sind wir nicht des Landes Zier?
Zum Vorbild sollten grade wir uns nun erheben.
Dann blüht uns was im Jetzt und Hier.

Fühlt doch den Ausgleich, zügelt eure Gier,
wir wollen ja gemeinsam an der Zukunft weben.
Das schaffen wir!
Wenn nicht, verglüht im Jetzt und Hier.

Montag, August 08, 2016

Moderater Radikalismus


Man zahle erst mal wörtlich heim in bar,
dann nimmt der andre gar nicht wahr, was war
denn los? Er hat ein Angebot gemacht
und wird um den Gewinn gebracht?
Und ausgelacht.
Es war doch ausgemacht, auf Augenhöhe zu verhandeln,
wie konnten sich Verhältnisse so schnell verwandeln
und sich die eigentlich so Guten fest verbandeln
mit denen, die im Hintergrund die Netze weben
und danach streben, Leben für ein Jenseits zu vergeben?

Je nun, es geht, wenn man nur will.
Bedroh ein Volk mit seinem Tod und es bleibt still. 

Dienstag, Juli 26, 2016

Noch Fragen



Hab ich eine Grenze, hab ich keine?
Wo hör ich auf, wo fang ich an?
Wie frei ist sie, die Freiheit, die ich meine?
Und darf ich fragen, was man nicht sagen kann?

Bin ich gestört, wenn etwas mich verstört?
Und werde ich dann dritten Grads verhört?
Wird man mich mit Zahlen quälen?
Muss ich meine Qualen zählen?

Was ist, wenn ich dann aus der Haft entlassen werde?
Ist die unter meinen Füßen auch noch meine Erde?
Und bliebe ich, was könnte mir passieren?
Sollte ich wohl besser innerlich migrieren?

Dienstag, Juni 14, 2016

Wenn grünX den Fussball regiert


1. Es gibt fortan keine gegnerischen Teams mehr, alle spielen zusammen. Da Tore das ausschließende Sieger(sic!)prinzip bedeuten, werden sie abgeschafft. Das Ergebnis des Spiels wird in harmonischer Gemeinsamkeit bestimmt. Gelingt es nicht, sich auf ein Unentschieden zu einigen, endet das Spiel automatisch unentschieden.
2. Alle Geschlechter spielen zugleich. Dafür wird die Teamgröße auf 365 Mitspieler/innen pro Team ausgeweitet.
3. Nationalfahnen werden ersetzt durch die Einheitsfahne. Fan/innengesänge und Rufe sind neutral zu halten, sie möchten keinerlei Diskriminierungen und Bevorzugungen enthalten. Erwünscht sind Rufe wie: "Fussball ist schön bei Biowind und Ökosonnenschein. Da stimmen alle überein".
4. Alle tragen das gleiche Trikot.
5. Die Zuschauer/innen dürfen Beispiel klatschen, gleichmäßig verteilt und in homöopathischer Dosierung. Dazu erfolgt eine Anleitung über die Stadionlautsprecher/innen in einfacher Sprache.
6. Der Gebrauch von Zucker, Fett, Benzin, Nikotin und Salz ist vor dem, in dem und um das Stadion unerwünscht. Bei Zuwiderhandlung erfolgt eine freundliche Ermahnung mit Veröffentlichung der persönlichen Daten. Psychoaktive Substanzen sind zugelassen, solange sie verboten sind.
7. Da Fussball zu vermehrtem Verkehrsaufkommen, emotionaler Aufgewiegeltheit und politischer Unzuverlässigkeit führen kann, wird er/sie nach Ausarbeitung einer noch ausstehenden Handreichung modifiziert. Zulässig ist dann nur noch das Spielen ohne Ball und ohne Spieler/innen.

Montag, Juni 13, 2016

Wer will noch mal?


Man kann nicht mehr wollen,
man will nicht mehr können,
man ist entweder oder
und weder noch
sowohl als auch für sowie gegen
Dings. Was Thema?
Ich so und du so und er so und sie so und es so
und wir so und ihr so und sie so
geht es und geht es
wiederum nicht
weiter zurück nach vorn
zum Glück

Mittwoch, Juni 01, 2016

Helfling


In der Manufaktur für fliegende Teppiche herrscht Hochkonjunktur
und der Dienst für verlorene Flaschengeister hat schwer zu tun.
Die Firma "Hilf deinem nächsten wie dir selbst" rennt verschlossene Türen ein,
bei "Lies, lies, verdammt nochmal lies" kommt niemand zum Ruhn.

Vernetzt sind jetzt der Norden, Süden, Osten, Westen,
egal woher, wohin und wer mit gegen wen,
der Smartphonemob bedient sich freudig an den Resten.
Wer wollte solcher Notbedürftigkeit wohl widerstehn?

Die eine Hälfte der Bevölkerung betreut die andere
und nächstes Jahr gehts anders rum.
Wer das nicht möchte, wandere
woanders hin. Am besten stumm.

Montag, Mai 30, 2016

Äußerung


Ich sag jetzt besser nichts, weil,
wenn ich jetzt was sagen würde, würden die, 
die was zu sagen haben, sagen dass
das, was ich in ihren Ohren gesagt haben soll
so Hundstoll wär, dass ich besser ausgeblendet würde
aus jedem Netzwerk, in dem der Anstand bestimmt
darüber, was anstößig ist und was nicht
zur Rede kommen darf, weil schon zu fragen
lügen heißt.

Freitag, Mai 27, 2016

Nein!



Man möchte manchmal zynisch werden an der Welt,
von der man Teilchen ist, das funktioniert.
Mit Widerwillen zwar, doch braucht sich auch
das Zähneknirschen mit den Jahren auf.
Man möchte raus aus den Geschichten,
man möchte Unschuld neu beginnen,
und nicht, dass die Geschichte, geht sie "Gnade" winselnd unter,
erneut von vorne neu beginnt.

Die Zauberer versprechen Wunder
und sie besprechen Wunden
so lange, bis kein Wort mehr bleibt als "Nein!".

Freitag, Mai 06, 2016

@Aufstand



Der Abenteuerspielplatz liegt in Schutt und Asche,
zu Bruch gegangen fliegen Scherben in die Welt,
in der die selbsternannten Guerilleros ein System bekriegen
um zu besiegen, was sie selber doch am Leben hält.

Die Rabauken von der Rutsche randalieren,
auf der Tobematte wird es turbulent,
Schurken auf der Schaukel planen einen Aufstand.
Den hat wohl das Erzieher/in verpennt.

Ein Hämmerchen, ein Sichelchen, brennen als Fanal
der immerzu in Windeln weich gelegten Avantgarde,
Legohäufchen, kurz und klein gehauen, bilden eine Barrikade.
Der letzte Revoluzzer frisst sich selber als Schakal.


Montag, April 25, 2016

Dienstag, März 22, 2016

Vielleicht...



Vielleicht...
werden wir irgendwo gemütlich beisammensitzen,
etwas trinken und lecker essen, uns unterhalten
über alte Zeiten und was wir uns erhoffen
für die Zukunft und die unserer Kinder,
einander Photos zeigen vom Urlaub,
leise Musik im Hintergrund,
stürzt dann die Decke ein,
liegen wir blutend 
auf dem Boden.

Donnerstag, März 17, 2016

Kannjunktiv



Irgendeiner müsste doch mal
irgendwie früher und
keiner verstünde das aber
mehr so richtig fälschlich umgepolt
wäre das Ding doch zu drehen
sollte jemand daran
würde man gewinnen
könnten wir alle.

Mittwoch, Februar 24, 2016

Deutschland ist gerettet!


Gestern haben Flüchtlinge den Schatz der Nibelungen auf dem Grund des Rheins gefunden und gaben ihn bei den zuständigen Behörden ab. Er ist wertvoller als alles Geld auf der Welt und somit unverkäuflich. Jetzt aber tauchen zigtausende Flüchtlinge vor den Küsten Südamerikas nach den versunkenen Schätzen der spanischen Armada, um diese der Bundesregierung zu übereignen. Auch in entlegenen Wüstenregionen, in der Arktis, ja sogar in Sachsen spüren die unermüdlichen Geflohenen verlorenen Schätzen nach. Sie möchten das Land, das ihnen Zuflucht bot, unermesslich bereichern. Dafür sollten wir dankbar sein.

Sonntag, Februar 21, 2016

Nächtens in der Bar-jeder-Hoffnung


Es war schon spät in der Spelunke
und alle waren gut dabei,
es saßen Frau an Mann, Halunkin an Halunke.
Kein Tisch mehr unbesetzt, kein Stuhl war frei.

Da stand die Maggie auf (sie konnte grad noch stehen)
und in dem dichten Rauch, den sie versprühte, war sie kaum zu sehen.
Sie rief: Ich lade alle ein, nur glaubt nicht, dass ich bleche.
Ein jeder hat jetzt Freibier hier, doch ihr bezahlt die Zeche.

Da öffnet sich die Türe weit und alle, alle kommen,
ein Chor tritt auf und schmettert laut: Willkommen bei den Frommen!
Wenn es für einen reicht, dann reichts für alle
und wer Bedenken sät, der erntet jetzt Krawalle.

Still ruht die Schenke nun, der Gastwirt ging bankrott,
die Maggie hat sich fortgemacht in fernere Gefilde,
die Küche leergefegt, das Mobiliar ist Schrott.
Sie hat es ja nur gut gemeint, so seid doch bitte milde.

Freitag, Februar 19, 2016

Einfache Nachrichten für alle


In einer Demokratie darf jeder zu allem etwas sagen. Fragen sind auch erlaubt.
Damit jeder alles wissen kann, gibt es Zeitungen. Damit jeder Zeitung haben kann, bietet die Regierung (das sind die Bestimmer) jetzt jedem seine Zeitung. Für nur 7€ im Monat darf jeder eine haben. Das gilt auch für die, die nicht wollen. Damit das einfach bezahlt werden kann, darf jeder ein Konto bei einer Bank haben. Banken sind die, die Geld geben. Normal zahlt das Amt fürs Bezahlen dort Geld ein. Jeder muss Geld haben. Darum darf er das auch.
Man kann frei wählen. Zeitung eins mit kleinem Druck, Zeitung zwei mit mittelgroßem Druck, Zeitung drei mit sehr großen Buchstaben. Buchstaben sind die Zeichen, die hintereinander gelesen Wörter bilden.
Wörter bilden. Damit alle gleich gebildet sind, ist der Inhalt der drei Zeitungen gleich. Alle anderen werden teuer gemacht. Nicht immer verstehen alle alles gleich. Darum gibt es alle zwei Wochen einen Lernzieltest.
Als Leser darf man schreiben. Damit das klappt, gibt es Leserbriefe. Diese werden mitgeliefert. Man darf eine Briefmarke daraufkleben und sie in einen Briefkasten werfen. Das sind gelbe Kästen mit einer kleinen Klappe. Jemand wird sie bestimmt lesen. Wer etwas schreibt, das nicht stimmt, bekommt Besuch. Dann darf er ins Infolager. Dort lernt er lernen. Sie auch.



Samstag, Februar 13, 2016

Klare Kante


So! Die Herzen raus aus der Hose,
wo sie nicht hingehören und vor sich auf den Tisch.
Dann werden sie neu gemischt und aufgefrischt.
Wie war das noch mal mit Grenzen setzen?
Wie war das noch mit Sätzen, die hetzen?
Setzen, Sechs, du fängst von vorne an.
Wer nicht recht will, ist einer, der kann
was erleben, mit dem werde ich Tacheles reden
hinter verschlossener Tür.
Kannste jetzt dafür.

So! Nun reicht ihr euch die Hände,
das Gemecker hat ein Ende.
Sonst sitzt die ganze Klasse nach
bis zum Sankt Nimmerleinstag.

Donnerstag, Februar 11, 2016

Ratschlag ans Selbst


Das Leben ist kein Kinderschlecken,
und auch kein Zuckerspiel,
es ist gelegentlich zuviel
und nie genug.
Dressier das Biest, bevor es dich frißt,
beiß nur hinein ins volle Menschenleben
und ziele gut.
Dann triffst du nicht daneben.

Dienstag, Februar 09, 2016

Der gute Esel


Der gute Esel

Es war einmal ein Esel, der hatte von seinen Vorfahren bedeutende Ländereien geerbt und ein beachtliches Vermögen. Er arbeitete fleißig und lebte sparsam und war glücklich mit seiner großen Familie.
Da traf er auf einer Geschäftsreise einen Fuchs, der stand am Straßenrand und schaute jammervoll in die Welt. Der gute Esel sprach ihn an und fragte: "Was bekümmert dich so"? Da antwortete der Fuchs: "Ja, weißt du denn nichts von den Kriegen und Nöten überall? Nichts habe ich mehr als ein paar Fetzen am Leib und Sorgen um die meinen in der Heimat". Nun tat sich das Herz des Guten auf: "Komm mit zu mir, dort kannst du bleiben. Hol deine Familie, ihr seid alle willkommen."
So geschah es, und mehr und mehr Verwandte trafen ein. Ein neues Haus wurde gebaut, um alle unterzubringen und noch eins und noch eins. Alle Nachbarn lobten ihn und freuten sich mit ihm über seine guten Taten.
Doch eines Tages war das Vermögen aufgebraucht, die Häuser mit Hypotheken belastet, die Ländereien verkauft und der gute Esel bekam keine Kredite mehr. Seine Familie hatte sich schon lange von ihm abgewandt und sich mit dem Tafelsilber aus dem Staub gemacht. Seine neuen Freunde aber sprachen: "Nun, da du nichts mehr hast, können wir dich hier nicht mehr gebrauchen, es ist nicht mehr genug für alle da."
Er machte sich auf den Weg in ein Nachbarland, von dem es hieß, dass dort allen Fremden und Mittellosen großzügig geholfen werde. Dort angekommen, wandte er sich an eine gutgewandete Füchsin mit rosigen Wangen, die gerade aus einer eleganten Limousine stieg, mit den Worten: "Ach, hohe Dame, zeigt Mitleid. Ich habe nichts zu brechen und zu beißen und komme völlig verarmt von weit her." Die Füchsin aber sprach:"Guter Esel, kennt ihr nicht die Geschichte des Esels, der sich aus eigener Dummheit in die Scheiße geritten hat, indem er so tat, als könnte Mitleid endlos sein? Da fange ich gar nicht erst mit an. Mach dich vom Hof, du Penner und lass deine Fresse hier nicht mehr sehen".
Der Esel aber schlich sich und weinte bittere Tränen.

Samstag, Januar 30, 2016

Gedicht in einfacher Sprache


Komm, wir spielen Politik.
Ich bin der Bestimmer.
Du bist die vielen Leute.
Ich darf euch hauen.
Ihr mich nicht.

Wir spielen nach Plan A.
Der endet schlimm.
Oder nach Plan B.
Der endet schlimmer.
Na gut, wir spielen beide Pläne.
Oder keinen.
Wir ändern die Regeln im Spiel.

Jetzt gibt es Frühstück.
Wir räumen Deutschland auf.
Ab in die Kiste.
Wir schaffen das.
Weg.

Sonntag, Januar 24, 2016

Von der Demokratie zur Diktatur in dreizehn einfachen Schritten


1. Geh unbeirrt durch die Parteienmühle, lass dich wählen, vereine die Willigen, säe Zwietracht unter den Gegnern.
2. Verkünde alternativloses, übernimm die Ruder deiner Gegner.
3. Sei nicht normal, kein Normaler wird Politiker. Setze eigene Normen.
4. Verfahre konsequent konzeptlos, bis dein Verhalten zum neuen Konzept wird.
5. Verfolge alle Gegner der neuen Konzeption als amoralisch.
6. Etabliere eine neue Moral, der sich alle unterwerfen müssen, die nicht untergehen wollen.
7. Verschaffe dir eine Armee außerhalb der Armee, lass ihr freien Lauf. Schwäche die Kräfte der etablierten Ordnung.
8. Reagiere beleidigt bei Kritik, du hast den Mantel der Geschichte und die Mittel, zu strafen.
9. Der Unterstützung der Medien hast du dich bereits versichert, durch Drohungen, Schmeichelei, Erpressung. Setze diese Medien skrupellos ein.
10. Die gesellschaftliche Ordnung gerät ins Wanken. Mach weiter, sei traurig, zornig, fordere das Unmögliche, bedränge das Volk, norde die Nachbarn ein.
11. Erkläre das Volk zu seinem eigenen Feind und bringe es zur Vernunft mit Notstandsgesetzen, die notwendig werden, da der Staat in Not gerät wegen der urplötzlich überall aufflammenden Aufstände.
12. Ermächtige dich in der von dir herbeigeführten Krise zum Krisenbändiger, errichte geschützte Bereiche für Unwillige und führe das Volk mit eiserner Härte zu seinem Glück.
13. Nun lass auch die Nachbarn teilhaben an der neuen Ordnung. Du weisst hinter dir eine irreguläre und eine reguläre Armee und ein Volk, das dich bedingungslos liebt. Alternativlos.

Selbstentmächtigung


So schnell kann das gehen,
vom Bürger zum Wüterich
im eigenen Lande zu mutieren,
wenn sich die Fahnen plötzlich drehen
und mitten im Spiel die Regeln zu Rätseln werden.
Gerade noch Meister der Welt,
auf einmal ein Sklave der Ereignisse,
die keiner versteht, weil er sie verstehen soll,
wenn die Angstsämaschine tiefe Furchen gräbt
in die Stirnen und die Verfassung
gerät aus der Fasson, für dumm verschenkt,
allmachtlos.
Der Ungeist wurde aus der Flasche entlassen,
er kehrt nie mehr dahin zurück.

Dienstag, Januar 19, 2016

In der Eurodruckerei



Runter auf die tiefsten Sohlen,
fährt der Schäuble, Kohle holen.
Doch zu viele gruben schon dort,
sinnlos zu wühlen, der Zaster ist fort.

Da denkt er bei sich, es muß was passieren -
Ich werde es mal mit Voodoo probieren.
Wenn hier nur noch Zahlen zählen,
will ich Euch zum Zahlen quälen.

Aber das will auch nichts nutzen,
also geht er Konten putzen,
findet jedoch in jedem Tresor
nur Elend und Ödnis und Leere vor.

Verzweifelt kommt Wolle nachts zu dir,
durchwühlt die Kommoden, verköstigt Dein Bier.
Er schaut in die Strümpfe und hinter Tapeten -
fruchtlos seine Jagd auf Moneten.

Es hatten schon die, die vor ihm waren,
den Karren voll vor die Wand gefahren.
Nun fordert ihn auf der Gott der Finanzen,
mit ihm den letzten Tango zu tanzen.

Doch er aktiviert seine ruhigen Hände -
Ruhige Hände bringen die Wende:
Betrachte nunmehr den Schuldenberg heiter -
Hast du den Gipfel erreicht, geh weiter.

Wir gehören jetzt alle, gesund oder krank,
der deutschen Debitorenbank.
Die Nichte muß vor der Oma sterben,
will sie nicht ihre Kredite erben.

Natürlich hat Wolfgang nie gelogen,
vielleicht mal ein wenig die Zukunft verbogen.
Und wenn ihr euch denkt, es wird nimmer schlimmer -
ihr habt euch geirrt, denn schlimmer wirds immer..
Zum Schluß erklingt das alte Lied:
Der Staat geht pleite und wir gehen mit.

Samstag, Januar 16, 2016

Neue Steuern braucht das Land


Nachdem sich die Autofahrer  beklagen, übermäßig vielen Abgaben zu unterliegen, hat sich das Finanzministerium auf eine neue Steuer geeinigt für Nichtbesitzer von Automobilen. Sie werden in Zukunft zur Kasse gebeten für jeden Kilometer, den sie nicht mit dem Auto fahren. Um Gerechtigkeit zu gewährleisten, werden Kameras installiert an Kreuzungen, Bus- und Bahnhaltestellen und Unterführungen. Abgerechnet wird online. Wer auf den Videos nicht auftaucht, wird pauschal besteuert.
Zugleich wird eine Nichtrauchersteuer eingeführt, wäre ja noch schöner, die Abstinenten könnten sich drücken. Das betrifft auch die Nichtkonsumenten von Alkohol. Da man nicht nachhalten kann, wer Cannabisprodukte gebraucht, wird zur Reinerhaltung des Volkskörpers ebenfalls eine Pauschale für alle eingeführt. Da kann keiner meckern, für alle ist immer gerecht.
Die Reinhaltung der Luft und des Wassers verursachen immense Kosten, so werden die Konsumenten dieser Produkte steuerlich ebenfalls belastet. Wer ärztlich nachweisen kann, weder zu atmen noch zu trinken, unterliegt einem ermäßigten Steuersatz.
Wer einen Arbeitsplatz besitzt, hat ihn einem anderen weggenommen. So ist es nur gerecht, dass hinfort jeder, der in Lohn und Brot steht, einen Arbeitslosen unterstützt per Hartzsoli. Als Endziel ist angestrebt die Aufhebung der Geldwirtschaft. Wer, wenn nicht die Finanzämter, wäre denn in der Lage, ausgleichende Gleichheit herzustellen? Gebt uns euer ganzes Geld, so lautet der neue Slogan. Wir teilen es euch dann zu, einem jeden nach seinem Bedürfnis.

Donnerstag, Januar 14, 2016

Relativistische Relativisierungspolitik



Zur Grundausstattung eines jeden vernunftbegabten Menschen gehört es, antiNazi zu sein: AntiNationazi, AntiinterNazi, AntiReliNazi. Angesichts der Spannbreite dieser Drahtseile kann es zur Zeit zu Irritationen der Artisten kommen beim Balanceakt. Wie Gundel Gaukeley Dagobert Duck mit Bombastik-Buff-Bomben bewirft im Kampf um dessen Glückszehner, wollen die Bundesgaukler/innen die Sinne vernebeln. Aber, jedoch, dennoch, trotz alledem: ein alleiniger Kampf gegen Nationazi genügt bei weitem nicht, knüpft den anderen Strömungen einen fliegenden Willkommensteppich, unter den alle Widersprüche gefegt werden. Solange nicht alle totalitären Strömungen als solche benannt werden, wird keine benannt. Wer nur Ahnung von Machtpolitik hat, hat auch davon keine Ahnung und wird gnadenlos hinweggekehrt, auch wenn er/sie/es sich unter dem Mantel der Geschichte geborgen fühlt. Wenn Stimmungen zur Grundlage der eigenen Handlungsunfähigkeit erklärt werden, wird die Macht verlieren durch Verstimmungen. An die Ohnmacht.

Donnerstag, Januar 07, 2016

General Verdacht


Wenn er Kommandos ausschickt an die Front,
dann knicken alle vor ihm ein. Kein Schwein,
das sich ansonsten im Lichte der Wahrheit sonnt,
will hinterher dabeigewesen sein,
wenn nach der Frontbegradigung
die Balken brechen, weil überbogen.
Sie betteln um Begnadigung:
Wir haben ehrlich die Wahrheit gelogen.

Voll Mut erschoß man täglich einen toten Hund
und mischte alle Farben:
Es wurde braun, nicht bunt.
Wer leckt jetzt seine Narben?

Dienstag, Januar 05, 2016

Wenn sich die Hottentotten in Köln zusammenrotten


Hart wird der Rechtstaat reagieren,
was da passsierte, das ist nicht zu tolerieren.
Die Täter lachen sich, betreut, kaputt.
Wat mutt, dat geht, wat geht, dat mutt.

Man muss (und Frau) nun eben akzeptieren,
dass man (und Frau) zum Opfer werden kann
und deshalb sollte man und s.o. jetzt kapieren,
dass sowas Schuld ist der Gesellschaft und sodann

soll sich der Souverän halt integrieren. Wann,
wenn nicht sofort, wann soll sich denn das Leben wenden,
im Schönen, Wahren, Guten enden?
Vielleicht gibts dazu einen Filmbeitrag in Cannes.

Montag, Januar 04, 2016

Karneval wird bunt


Den Zug führt an die Königin der Sockenpuppen,
voll Huld verteilt sie Probepäckchen Trockensuppen, 
vegan, laktosefrei und vegetarisch,
antifa und bioöko, aber immer contraarisch,

gefolgt vom vielgeliebten König der Roma,
gemütlich auf seinem Sofa im Koma.
Dann kommt, mit leicht ergrauten Haaren,
ein Funkenmariechen in Wechseljahren.

Nun folgt ein etwas strengerer Duft,
die Konvertiten von "Hans spreng in die Luft".
Sind sie erst vorbeigezogen,
liegen viele platt am Boden.

Die ganze Stadt ist eine Herrensitzung,
ein Feuerwerk der Volksbewitzung.
Ab 5:45 wird hier zwangsgebützt,
Appeasement hat uns immer schon beschützt.

Sonntag, Januar 03, 2016

Neujahrsansprache 2015-16


Habe mir die Rede der Kanzlerin angesehen, ohne Ton. Tolle Ansprache. Nächstes Jahr dann auch 
noch ohne Bild.