Dienstag, März 22, 2011

Wir Killerkommentare




suchen immer erstmal nach den Schwächen
der Gräten, sie beredt zu brechen
und wir tauchen tief hinab in die Gefilde
wo da krauchen
die Reste dero Texte
und wir stauchen sie zusammen
steht behende ein Kommando. Wir
beenden diesen Auftrag gleich dem Rambo
selbstverliebt, nicht milde.
Wie kann man bloß sich so zum Opfer machen
lassen?

Freitag, März 11, 2011

Deutsches Feuilleton 2011



Es ging hinaus und schlug sich ein Verbotsschild vor den Kopf.
Das war, bevor, als es beschloss, die Schlösser aufzubohren.
Dann wankte es, vom warmen Blut des Volkes überströmt,
härmend lärmend in die nächste Schnapsdestille:

Mein Wille ist, ein tönern tönend tötend Ungemach zu schaffen,
dass alle Affen, die ich zu solchen deklariere, gaffen.
Und es wuchtet sein Gemächte unter Ächzen auf den Tisch,
plustert sich und spreizt Gedankenschenkel:

Das hier bin ich. Isch schmelz euch die Gehirne,
fall eure Zähne und die letzten Haare aus,
bis ihr gesteht. Heiho, was geht?

Mittwoch, März 09, 2011

Aschermittwoch



Am Aschermittwoch tagt die Konferenz der Idioten:
wir müssten wieder einmal etwas streng verbieten
und was verkehrt ist, hilft uns auszuloten
das Handbuch "Recht bewahrt mit alten Riten".

Die Mahner soll man stets mit Schmutz beschmeißen,
erschießt zunächst die Spieler am Klavier,
wer springt, soll selber an der Leine reißen
und schlecht ist immer nur das letzte Bier.

So geht erneut ein schöner Tag ins Land,
an dem man etwas hätte ändern können.
Doch lieber hält man relativ in seiner Hand

was Gegner sich und einem nicht vergönnen.
Der Narr verkauft sich selbst als Unterpfand
weil Deppen nichts aus ihrem Deppensein gewönnen.

Kritikvorlage Prosa



Da, wo der Text nicht wertet, wohnt ihm inne eine Kraft,
die sich begründet auf die allerhöchsten Werte
aus Spirit, Sprit und Rebellion, ein Stückchen weit
ist etwas zu erkennen wie des Allerhöchsten Antlitz
und auch konkret wird diese Prosa im abstrakten
Realismus phantastisch-phantasievoll trivial, was
keinen Leser dazu bringen sollte, ihn im Ernst
mit spaßgewohnter Ironie zu hinterfragen, da
die letzten Fragen zweifellos gestellt, jedoch
die letzte Antwort bleibt dem überlassen, der die das
Beste für sich selbst herauszuholen mag und grade
diese letzte Gerade mittenmang ins Auge des Lebens
ist des Lesens wert weil hier schreibt die Gerechtigkeit noch selbst
nach Gnade.

Montag, März 07, 2011

search of primordial poem



night cold
hunger old
fire warm
eat meat plenty

day light
enemy fight
catch prey
for bounty pray

body close
rub nose
play game
stay tame

little one
tune hum
ghosts come
harm done

dog turd
think words
say word
save words

Mittwoch, März 02, 2011

Manha de Carnaval



Die Eva geht sich einen Neger fangen heute nacht.
Ein Pardon wird nicht gegeben
und Heialala, dass es in der Kiste kracht.

Es steht der Prengel nackig da in voller Pracht,
als Standbild für ein sinnenfrohes Leben.
Die Eva geht sich Negerküsse fangen in der Nacht.

Es liegt allein in Evas Supermacht,
wie weit sich Körper ineinander weben
und Heialala, dass es in der alten Kiste kracht.

Jetzt wird die Glut im Heu erneut entfacht,
die Eva fühlt ein ungekanntes Streben,
sie will erlegen einen Neger heute Nacht.

Wie hat das Schicksal sie bisher verlacht!
Im Endergebnis lag die Eva meist daneben.
Doch heute Heialala, dass es in der Kiste kracht.

Zwar gibt es ein Bedenken, das noch leise wacht -
dagegen rät der Arzt zum Cuba Libre heben -
die Eva geht sich einen Neger fangen heute nacht
und Heialala, dass es in der Kiste kracht.

Donnerstag, Februar 24, 2011

Planloswagenburg



Etwas geht im Hinterzimmer vor sich,
keiner ist sicher, wozu und warum.
Die Karten wurden blank radiert,
als wir alles auf sie setzten -
abgeweidete Gedanken inmitten
ausgedehnter blühender Wüsten
verfielen den Paradiesbrachen.
Unter dünnen Häuten flossen heiße Ströme.
Der Möglichkeit einer Schuldzuweisung
ist der Notausgang vernagelt.

Mittwoch, Februar 23, 2011

Eilmeldung



von Guttenberg schlägt zurück - bis zum letzten Tropfen edlen Blutes. Erste Fußnotentruppen besetzen das Kanzleramt, die Regierung hat den Reichstag abgeschrieben.

Donnerstag, Februar 10, 2011

Erfolgreiche Integration mit Tugra



Gelegentlich sieht man auf Heckscheiben von Autos ein Symbol, das orientalisch anmutet. Es besteht aus dynamischen Halbkreisen und drei nach unten verlaufenden Strichen, schwungvoll, arabesk und hübsch zu beschauen. Es handelt sich um so genannte Tugras (auch Tughras), dem imperialen Signum osmanischer Sultane. Um sich einen anschaulichen Begriff machen zu können, suche man bei ebay nach dem Begriff. Am 10.02.2011 gab es 3874 Ergebnisse, das Symbol gibt es auf Tassen, T-shirts, Uhren (gelegentlich auch mit grauen Wölfen), Wand- und autoaufklebern.
Nun ist ja die gemeinsame Geschichte Europas und Kleinasiens geprägt von einer gegenseitigen Befruchtung ohnegleichen: Ausflüge der Janitscharen in noch nicht dem osmanischen Frieden eingegliederte Gebiete, Überführung von jungen Buben in verantwortliche Erziehung (vom Westen "Knabenraub" genannt, s.a. "Heidschi Bumbeidschi: Hadschi Bombaschi"), die Eingliederung von Individuen in Gemeinschaftsbesitz (s. "Sklavenkasse" (der Wikiartikel ist ein wenig zurückhaltend, die Piraterie im Mittelmeer oblag zu jenem Zeitpunkt den Osmanen und ihren Vasallen), und allgemeinem Plündern und Brandschatzen über mehrere Jahrhunderte (der Türke in Kleinasien, dem Balkan und vor Wien).
Aus all diesen Erfahrungen erwuchs ein unbedingtes Urvertrauen, welches West und Ost zusammenschweißt. Nun ist die Kunst des Tugralesens dank der Bestrebungen Kemal Atatürks arg zurückgegangen, aber sie sollte wiederbelebt werden. Besonders die Tugra Mehmets des zweiten, Vater der Eroberung, der immerhin die Plünderung und die Ermordung der Einwohner Konstantinopels (eine Stadt, die vor etwas mehr als 550 Jahren vom Joch des Christentums befreit wurde) nach einem Tag beendete, möchte man leuchten sehen auf Autoscheiben, Moscheen, Gebäuden und Knuten.
Sonne, Mond und Sterne, wir haben uns so gerne.

Freitag, Februar 04, 2011

Of a certain book



I've read the book a thousand times
and still don't get the meaning.
I mean, there are a lot of rhymes

and from the worn-out pages chimes
a sound of something preening.
I've read the book a million times.

I think the ancient volume mimes
a seriousness careening.
But still, there are a lot of rhymes.

Can books commit more serious crimes
to veil what they are screening?
I've read the book a billion times.

It only cost me a few dimes
(the cover needs some cleaning).
And still, there are a lot of rhymes.

My understanding climbs and climbs,
the words are nearly gleaming.
I've read the book a trillion times:
there are too many bloody rhymes.

Donnerstag, Februar 03, 2011

Diskord




Auf dem falschen freien Fuß erwischt:
Ja! Wir haben für sie geschlossen,
in mangelhaften Fährten Spuren hinterlegt
zu Häusern, die verfallen sind
frisch lackiertem Abfall vom Unglauben.

Unter die Kopfhaut rasiert, am Fuße eines Totempfahls
grundlos optimistisch. Man lacht die ganze Welt kaputt
daran. Öffne die Büchse, Pandora, du Schlampe,
wir vergraben abgebrannte Kohlen in geleerten Gruben,
rufen "rahmenlose Bilder rücken näher"
raus aus diesem Land.

Kassandra traut sich keiner mehr
läuft aus dem Ruder, unrund stört die Kiste,
wenn sie aus ist. Wer isst die Brote
der Toten?

Donnerstag, Januar 13, 2011

Wenn der Wutbürger kocht



Hors d'oeuvre ein großes Manoeuvre a la Bastille,
zornesrote gallebittre Pferdepille und danach
Ragegout mit Pfeffer in den Allerwertesten zu blasen,
dazu falsche Angstvorallemhasen in Hasspik
(der Trick: sie stark verbittern zu lassen).

Es folgt als erster Hauptgang Kampfkartoffeln a la mode,
zu Tode gelabert und zertreten in den Gassen,
die der Welt bedeuten: hier schmeckts den Leuten
noch. Dann heißt es Unschuldsopferlämmer häuten,
Pellen zu Markte zu tragen (bloß nicht nach den Preisen fragen),
und vor dem zweiten Hauptgang gibt es was zu trinken.

Ah, Feinddesvolkesvorderformfleischschinken
(am Stinken, weil schon reichlich abgehangen),
an Che-Guevara-Baskenmütze und gepellter Wutwurst.
Den Blutdurst stillen hadernde Sorbettchen,
ein Bettchen wartet. Das Revolettchen hat gerade angefangen.

Dienstag, Januar 04, 2011

Abzählreim 3



Drei Kommunisten
machten in die Kisten.
Da waren diese leerer
als vorherer.

Radikalpoet!



Lass deine Dichtung tönen wie die Hörner eines Schiffes
aus dem Nebel. So ist der Leser früh genug gewarnt.
Sei Hupe, Klingel, dröhnende Posaune, vertreibe
kesselpaukend jeden Zweifel an der Absicht, zu belehren.
Auch wenn es noch so aussichtslos erscheint,
so müssen deine Worte doch erschüttern. Dem Fundament
aus Ungerechtigkeit und Ignoranz sei Abrissbirne,
Preßlufthammer, sei Kehrblech und Feger, auf dass zum Schluss
auch nicht ein Krümel übrig bleibe vom System.

Schüttelwinter



Statt ständig schnaufend Schnee zu toppen,
da ging ich lieber, Tee zu shoppen.
Es ist doch zum Verstand bezweifeln,
muss schippend am Bestand verzweifeln
und kann kaum noch die Massen kehren,
derweil sich bei den Kassen mehren
die Klagen derer, die bei Schnee und Eise
sich Knochen brachen. Wat ene Scheiße.

Mittwoch, Dezember 29, 2010

Neuer Nobelpreis



Wie unschwer zu googeln ist, werden unsere muslimischen Mitbrüder- und schwestern auch beim Nobelpreis diskriminiert und hintangestellt. Während sich 165 Juden! (Stand 2005) einen der begehrten Preise erschleichen konnten, konnten nur sechs Muslime durch harte Arbeit und Selbstaufgabe gewinnen. Nun machen die Muslime mehr als 20% der Weltbevölkerung aus, die Juden nur 0,2. Dies zeigt schon deutlich auf, mit welcher Perfidie hier vorgegangen wird. Bislang wurden ausschließlich säkuläre Kategorien gewertet wie Physik, Mathematik, Chemie oder dem weltlich-westlichen Kulturkreis gedankte Felder wie Philosophie, Literatur und Psychologie.
Für Arbeiten, die die Friedlichkeit und Schönheit des Islam besonders gelungen herausstellen hingegen gab es keinen Blumentopf, auch das authentische Rezitieren einzelner Verse oder die gelungene kalligraphische Kopie des originalen Koran fanden keine Berücksichtigung.
Um diesen Missstand zu beheben hat das Nobelkomitee einen neuen Preis ausgelobt, den Islampreis.
Teilnehmen dürfen ausschließlich Muslime und besonders aktive Konvertiten mit Werken aus der nichtfigurativen Malerei, der musiklosen Lobpreisung und einer besonders gelungenen Anstrengung auf dem Weg zur vollständigen Unterwerfung (Nobel-Jihad).

Ja, das willste,



ein Haus im Biosphärenreservat gleich in der Stadt,
mit unverbauter Aussicht: Strand an Berg.
Im Sommer kühl, im Winter warm genug,
Im Ökogarten werkt ein multikultureller Zwerg.

Dass Mensch und Tier sich Brüder sind und Schwestern,
ganz ohne Streitgeläut und Zank,
ein stetig volles Gutgewissenkonto bei der Bank
für allgemeine Belange.
Nicht Bange sein um einen garantierten Job
mit Hochlohn, drei Waldorfkinder,
ein Model mit Grips und Bewusstsein
und einen dauererigierten Schwanz
(gewaltbefreit, man ist ja nicht von gestern).

Und CO2 neutralen Urlaubsflug
in unverbrauchtes Gebiet. Dass was geschieht,
dass alle fair hungern und dursten
und Vergebung aller Sünden durch einen Weekendwellnesstrip
nach Dachau.

Weihnacht? Schüttel...



Die Bahnen stehen still - vereiste Weichen.
Still stehn im Wald verwaiste Eichen.
Mir steht der Sinn nach Kerzenschein
und es besteht zum Scherzen kein
Grund. Wenn unbeständig wilde Flocken segeln
versteh ich mich aufs Sockenflegeln.
Ich übersteh, so will mir diese Weihnacht scheinen,
das Elend nicht. Muss ständig in der Scheinnacht weinen.

Dienstag, Dezember 14, 2010

Christmas hell (2)




Christmas hell, Christmas hell,
every year the same.
It’s never as it ought to be
and you’re the one to blame.

Mum is in the kitchen,
she went completely nuts.
She’s sharpening her sharpest knife,
to take out daddys guts.

Daddy's in the garden,
messing with the tree
'twas ten feet when he bought it
and now it’s to his knee.

At home feels like Pearl Harbour,
the neighbours are at war.
Grandma wants to do the freak
like all the years before.

Old Santa is exhausted,
he’s feeling not too well.
Doc is sure he won’t live through
another Christmas hell.

I gave up on festivities
and went down to the Pub.
Now listen to me singing:
down Christmas, bottoms up.

Zweizeilige Tiere 14, Verzehrsempfehlung



Des Papageien Bürzeldrüse
fordert reichlich Würzgemüse.

Will man dem Bullen an die Klöten,
so muss man ihn zuvörderst töten.

Der schwarze Schwan schmeckt, frisch gegrillt,
wenn er mit reichlich Fisch gefilt.

Es passt sehr gut Aspik zu Dackeln
da sie ansonsten dauernd wackeln.

Man feile ab die Katzentatzen,
sonst spürt man im Gedärme Kratzen.

Affenhirn, so weiß der Bauer,
sättigt. Doch es macht nicht schlauer.

Donnerstag, Dezember 09, 2010

0.2 CL



Geistersträuße aus der Hand in den Himmel
gerauchte Tapeten in Scheibchen geträumt -
aber was. Dann du bist gar nicht du bist du nicht
da war noch etwas gewesen:
Die Sorge dafür, dass man anders bleiben müssen darf.
Jetzt (plötzlich) wir.
Die Theke droht uns mit dem Besen und
offenen Hähnen: ich lauf dir zu
halt mich wie einen Hund
und geh vor mir
durchs Tor gejagt.

Siegwart Kalusche



Dass man älter wird wird einem deutlich bewusst, wenn das Hauptinteresse an der Tageszeitung in den Todesanzeigen besteht. Erst will man nur mal schauen, ob es schon Jahrgangsgefährten dahingerafft hat, dann beginnt die Suche nach bekannten Namen, schließlich stellt sich eine klammheimliche Freude ein, noch einmal davongekommen zu sein, natürlich überschattet von einer gehörigen Melancholie. "Mitten im Leben sind wir vom Tode umgeben", wen ließe dieser klassische Gedanke kalt.
Gestern las ich vom tragischen, plötzlichen Dahinscheiden meines alten Freundes Siegwart, den wir damals in der Clique immer scherzhaft Polacken-Siggi riefen (obgleich er mit Polen so viel zu tun hatte wie wir mit Deutschland), meist aber einfach nur Siggi, mit Doppel-g, ein g war für Mädchen, Sieglinde, Sieghild, Siegrid und so. Unerwartet aus dem Dasein gerafft, leuchte er nun am Himmel als hellster aller Sterne, war zu lesen, die Anzeige geschaltet von beinahe jeden progressiven Organisation in Europa. Ja, das ist typisch für ihn.
Wenn wir uns damals einfach nur die Birne zuballern wollten mit Dope und LSD, arbeitete er daran, sein Gehirn zu dekonditionieren, sich von den Zwängen und Beschränkungen einer repressiven Gesellschaft zu befreien. Wir lasen die Freak Brothers, er das Ägyptische Totenbuch und Wilhelm Reich, wenn wir vögelten, bekämpfte er das bürgerliche Besitzdenken, hektographierte Anleitungen zum Bau von Mollies und ernährte sich ausschließlich von braunem Reis mit Sojasauce. In einem revolutionären Akt befreite er sich, als Avantgarde, von der Ausbeutung durch Arbeit und ließ sich hinfort von dem Staat finanzieren, für dessen Abschaffung er unermüdlich wirkte, sein Leben lang. Sein Kampf für die Wiedereinführung der Windmühle bleibt sagenhaft, keine Minderheit, die sich vor seiner Anteilnahme in Sicherheit hätte bringen können, die Agonien der Mutter Gaia waren seine. Er kämpfte gegen Raubimporte von Wellen aus der Karibik, für vegane Wale, gegen den Abbau des Mondlichts für sinistre Zwecke, war Integrationshelfer fleischfreier Werwölfe und Stromschnellenflüsterer, aber immer war er laut und geradlinig. Von keiner Partei vereinnahmt nahm er Partei für alle, die gedemütigt und benachteiligt im Schatten vegetieren und deren Stimme er immer war. Seine letzte Konsequenz, sein letzter Weg, dem zu folgen wir den Mut aufbringen sollten: Rettet den Tiger, umarmt ihn.
Er ruhe in Frieden. Bin mal gespannt, wer morgen in der Zeitung steht.

Verglimpfung



Achtung, Vorsicht, aufgepasst!
Dieser Text ist nichts für schwache Nerven.
Hier wird ein Gott aktiv gelästert -
ach was, ich nehm mir alle Götter vor.

Sie sind, das sag ich offen und ehrlich,
(ich lass mir doch von Paragraphen nichts verbieten,
nicht von maroden Gläubigen, von Konvertiten)
soetwas von, dann auch und außerdem entbehrlich
sind schwerlich zu erkennen ritualisierte
Drohgebärden und es beschweren sich doch immer die,
die offen allen andern an den Kragen wollen
darüber, dass Respekt zu zollen sei für das,
was sie bestimmen, für das Rechte halten,
die schon im Hier ein Einst verwalten,
und jedem, der nicht fühlt wie sie, den Glauben rauben können
daran, dass der Verstand die Wunder schafft
(doch zur Vernunft fehlt Frömmelnden die Kraft).

Wer solche Götter hat, der braucht auch keine Teufel mehr.

Kurzbesprechung



Der bekannte Anthropologe Professor Antonius Nabatäus von Hardstängl beschreibt in seiner kürzlich erschienen Untersuchung "Google pixelt meine Verse - über das Klickverhalten adoleszenter Wortwerker" in gewohnt unterhaltsamer Manier die verschiedenen antidiskrimatorischen Ansätze im Kampf gegen den Gedichterelativismus. Getreu der These "jedes Werk ist es wert, geklickt zu werden" werden verschiedene Maßnahmen bzw Unterlassungen beschrieben. Während in den laizistischen Gesellschaften des Westens eine unverbindliche Klickfreiheit vorherrscht, die dazu führt, dass bestimmte Dichtformate ins Hinterklicken geraten und es zu gefühlter Diskriminierung und Ausgrenzung kommen kann, deren mögliche Folgen wie Wortabusus und Verszwang gesellschaftlich unerwünscht sind, ist zum Beispiel im Silbensultanat von Zanzibar sowie einigen Gegenden des Südsudan eine Zwangsbeklickung religiöser Lyrik eingeführt worden, die auf andere erwünschte Gebiete ausgeweitet werden soll. Hier sieht der Autor zwei Herangehensweisen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: einerseite eine Politik, die diskriminiert und, unter Vorspiegelung einer beliebigen "Freiheit" ausgrenzt und verletzt, andererseits eine inkludierende Sicht, die dem Dichter eine Teilnahme der Wortwerkkonsumenten zusichert, die ihm schon wegen der Mühe, die er sich beim Schreiben gemacht hat, zusteht.
Ohne jetzt näher auf die weiteren in der Untersuchung behandelten Themen wie: Lesepflicht, Zwangskomment, das Ich und der Klick, sexuell motivierte Übersprungsbeklickung etc einzugehen, möchte ich jedem Interessierten die Lektüre ans Dichterherz legen. Die Frage ist doch wirklich ernsthaft zu diskutieren, wie lange das noch gut geht, wenn jeder macht, was er will.