Dienstag, März 13, 2007

Deformation




Wir machen uns ein Bild der Zeit, wie wir sie gerne hätten.
Im Spiegel rinnt die Welt davon.

Pißmolch




Es gibt ein Tier,
das gibt es gar nicht.
Das lebt von Fehlern,
die ein andrer macht.

Innerlich oft verbeamtet,
kurzer Sicht und
meist verlacht.

Es ist als letztes an der Beute,
das Fleisch ist weg, fort ist die Haut.
Es ist das erste, das sich wagte,
wenn keiner schaut.

Es ist ein Nützling, weil
sonst blieben Reste;
es ist uns irgendwie vertraut.

Das Tier ist feige,
stinkt und kann nicht sprechen.
Es spricht die Sprache derer,
die es schlecht verdaut.

Hausse Baisse





Wer auf sich hält, trägt seine Nase,
knapp oberhalb der Pekingblase.
Bevor ihm das, was da passiert,
die Haut am Kolben olfaktiert,

hat er den Schotter umgeschichtet,
sich winsome loosesome ausgerichtet.
Es ist, es scheint, zum Investoren,
nicht jeder mit Geld genug geboren.

Besiegter Sieger





Wehe dem Besiegten!
Spricht der Sieger.
Wehe dir, dem Sieger,
sage ich.
Denn jeder Überflieger,
stürzte bisher ab.
Ganz fürchterlich.

Wie




ein Buch ohne Leser,
ein Konzert ohne Musiker,
ein Bild ohne Maler,
eine Nummer, die keiner wählt,
ein Witz ohne Lacher,
ein Kampf ohne Kämpfer,
ein Haus ohne Bewohner,
eine Antwort, die keiner hört,
ein Preis ohne Sieger,
ein Tanz ohne Tänzer,
ein Lied ohne Sänger,
eine Sprache, die keiner spricht,
ein Fest ohne Gäste,
ein Witz ohne Lacher,
ein Spiel ohne Spieler,
eine Platte, die keiner auflegt,
ein Feuerwerk ohne Zuschauer,
ein Fest ohne Gäste,
ein Leiden ohne Leidenschaft.

Ruhe!





Den Kopf zur Raison bringen
wir uns um
zu finden Ruhe im Unsteten
liegt noch eine Ahnung
haben vom Spurenlesen
zu lernen hofften wir
hatten keine Ideen mehr.

Sonntag, März 11, 2007

Flugzeit




Die Zeit ist uns gewogen,
der wir bleiben. Und genug,
des Lebens dem, was wir so
treiben. Weil unser Flug
ins Immer schon begann.
Dann sind wir immer schon
geflogen. Die Zeit ist froh.
Wir haben sie betrogen.

Freitag, März 09, 2007

Troll







Der Troll

Er hämmert die Worte und schmiedet an Sätzen,
weiss viel über Regeln und die zu verletzen,
die sich an Gesetzen reiben:
Immer vielfach ironisch bleiben,

ist auf seinen Schild graviert.
Mit dem er den liebsten Feind filetiert.
Dann zieht er, unter lautem Schrein
ins nächstbeste, hilflose Forum ein.

Diesen Humor weiss nicht jeder zu schätzen,
er bastelt Angstwort an Orten und Plätzen.
Trittst du in seine Fallen hinein,
wird er, Heulsusend,
Moderator beschrein.

So endest du, wie so oft, bei Müttern:
den Troll sollte man niemals füttern.

Donnerstag, März 08, 2007

Fruehling


Frühling (mit Braunauer Akzent zu lesen)

Wieder einmal zieht das Frühjahr
über Deutschland her.
Ein einziges, üppiges Blütenmeer.
Der Gärtner kann nicht länger warten,
voller Elan überfällt er den Garten.
Nun muß er aktiv
und tatkräftig ran,
weil Schönheit geordnet nur wirken kann.

Der Krokus marschiert in geschlossenen Reihen,
gezirkelt, gezähmt und sauber frisiert.
Stiefmütterchen regeln, dass im Freien
nichts ohne Regel von sich aus passiert.

Kaum ist der letzte Frost vergangen,
wird der Winter abgehangen.
Und das Grundstück frisch bemannt.
Die Besatzung ist bekannt.
Es ertönen in den Beeten,
elefantöse Mammut-Tageten.

Was fehlt dem Gärtner noch zum Glück ?
Auf den Balkon die Kästen zurück!
So schwer es ist, dies Ritual,
dient es der Lust und nicht der Qual.
Am Ende des Frühjahrs ist garantiert,
ganz Deutschland wieder Geranisiert.

Donnerstag, Februar 22, 2007

IDEX

 

International defence exhibition

Die Früchte der Furcht
gibt es im Angebot
steht kleingedrucktes
zu lesen ist wichtig
ist das Preis-
Leistungsverhältnis
ist der Faktor
bewirkt die Entscheidung
kann man richten
sie die Mündung nach vorn
sieht man das Ziel
ist, wo der Feind steht. Posted by Picasa

Einwortgedanken

 Wörtern, die im See sich fingen,
den Satz im Hals umkopfen,
die sieben Silbensachen
in den Rachen stopfen.
Bedeutung um die Ecke bringen.

In abstrakten Zungen bleiben,
als Großbuchstabe NICHTS
sagende, unbeantwortungslose
Kettensatzmassaker schreiben.

Buchstaben in die Suppe hauen.
Fleisch vom Anspruch nagen.
Dem Nebensatz die Wahl
der Worte lassen. Fragen,
auf Unverständnis bauen. Posted by Picasa

Montag, Februar 19, 2007

Zeichen

 

Zeichen aus der Dunkelheit,
in den Tag getragen.
Antwort der Vergänglickeit
auf die frischen Fragen.

In Symbolen neu verfangen,
schildern uns die Sagen,
dass wir uns sie aufgehangen.
Altes, fremd zu tragen.

Gleichsam, in die Nacht gestrahlt,
Bildnis einer Macht.
Zeichnend ist die Wand bemalt,
Blindheit, die verlacht. Posted by Picasa

Macht der Poesie

 

Der Dichter zu dem Mörder spricht:
"Das Töten, das gehört sich nicht!"
Da sagt zu ihm der Wüterich:
"Eins lern aus der Geschichte:
es siegen die böseren Wichte.
Nie die Pöten. So mach dich vom Hof,
und lass fortan das Dichten!"

Dieses kränkt den Schreiber sehr,
von Mördern und so,
verfasst er nichts mehr!
Die findet er doof.
Sollen doch die andren sie richten.

Schwer ist der Killer betreten.
Jetzt Gangsta-rappt er. Für Moneten. Posted by Picasa

Der eiserne Mann

 
Du bist durch dieses hohe Tor aus Stahl gegangen,
in ein Gefängnis.
Für dich von dir gebaut.
Aus eigner Haut
geschmiedetes Verhängnis,
nimmst du als Beute deines Krieges dich gefangen.

Dir folgt ein Heerzug durch die Großhirnrinde,
er ist am Ende,
bis er den Anfang finden kann.
Ein Mann, der mauert
sich die Wände,
durch die er gehen wird. Und gleich dem Kinde,

das sich erschafft, indem es sich vernichtet,
erleidest du.
Und was, das wird dir später klar,
weil du als Täter weißt,
was du vermeidest.
Du hast, für dich, ein Denkmal dir errichtet.
 Posted by Picasa

Der letzte Raucher

 

Ich rauchte in der Straßenbahn
und gerne beim Verkehr.
Egal war mir der Wertewahn,
immens war mein Verzehr.

Ich stand mit meinen Kippen,
im Buche der Rekorde.
Noch auf den Raucherklippen,
spielt Nikotin Akkorde.

Ich will der Unterwelt was singen,
mag sich der Kerberos beschweren.
Will dabei gleich Orpheus klingen,
ich werde noch den Hades teeren. Posted by Picasa

Buettenrede

 


Mit rheinischem Akzent zu lesen

Den Stock die neue Herrschaft hebt.
Grad so, als wäre sie belebt,
von frischen Träumen, die uns bald,
aus dunklem Tann, aus finstrem Wald,
hin führen in das Morgenrot.
Mehr Butter gibt es auf das Brot,
des harte Kante wir seit je,
bei Sonne, Regen, Wind und Schnee,
den Berg rauf schieben.Denn hinunter,
rollt es von allein, putzmunter.
Da ahnt man für die Zukunft nun,
in Zukunft wird sich auch nix tun.
Wer in der Bütt steht, der verspricht,
dir alles, was er morgen bricht.
Es weiß der Jeck doch ganz genau,
der Tünn regiert den Narrn. Helau!
Tätäää, Tätäää, Tätäää Posted by Picasa

Freitag, Februar 09, 2007

Warum und Darum

 

Warum und Darum, zwei Freunde,
sie hatten einander so lieb.
Darum fragte Warum Darum,
was vom Lieben wohl blieb?
Darum sprach darauf zu Warum,
nimm die Antwort nicht krumm.
Warum es so, wie es ist, ist,
ist wohl einfach Darum. Posted by Picasa

Scheinend

 

Die Lichter neuerer Tage,
spiegeln sich im
Lackledernen Hort.
Ketten, die ich ertrage,
mit deiner Erlaubnis
nur.
Herrin gummierter Corsage,
hell Schminkende hin
zu schwärzerem Ort.
Du bist, was ich erfrage,
bin dein Behältnis
pur.
Mit der straffen Bandage,
bestiefele mir den Sinn.
Mein letztes Wort,
dem mächtigen Gefrage,
Blase dicht, Bekenntniss,
Schwur! Posted by Picasa

Wenn Sturmkommt

 

Wellen schlagen
Wind in
unbekannte Richtung.
Segel prall gefüllt?
Wer bestimmt den Kurs.

Steuermänner geben
Ruder ab,
aus Angst davor,
was tun.
Kapitäne sinken
trunken zu Grund.
Wenn Sturm kommt -

stimmt der Kurs?

Funk streikt,
Ungeheuer steigen
sagenhaft empor,
Schemen auf Radar.
Leuchttürme scheinen
kein Licht.
Wind zerfetzt Nebel -
Haushohe Wellen,
Brandung in Sicht -
Hafen erhofft Schiffe,
verzweifelte Suche.
Schiff an Hafen:
kann ich einlaufen
noch
zu später Stunde?
Hafen erwidert:
komm doch.

Wen bestimmt der Kurs,
wenn Sturm kommt? Posted by Picasa

Die Blisterpackung

 

Da liegt sie nun,
die Blisterpackung.
Schaut mich höhnisch an.
Wartet darauf, ob ichs schaffe.

Ich schredder mir die Finger blutig,
schnibbel mit dem Messer wutig.

Kreische gleich als wie ein Affe,
nah am Irrsinn dran.
Erwäge Zerhackung.
Was kann ich tun?

Die Schere, die das Ding entsiegelt,
ist in Plastik fest verriegelt. Posted by Picasa

Deutsche globale Warenkunde

 

Auf Sansibar blüht Punica,
Grenada baut Langnese an.
Der Chinese schickt uns Pril,
Persil gibts viel in Afrika.

Rama wächst in Grönland, auch
am Strand von Goa Badedas,
Adidas' Heimat ist Hawaii,
in Dubai wuchern Edekas.

Globale Freier husten Krupp,
ein Trupp rasierter Geier.
Die Feier ist für Bayer aus,
Marktschreier im Gestrupp. Posted by Picasa

Schmonzes

 


Es glühte den Rosen
ein Rot, die aufgepeitschte
Sonne verblühte in
stürmischer See.
Tief unten im finsteren,
Schritt unsrer Hosen,
tobten Schmerzen, ohje.

Weiß wehte der Schnee,
grauneblige Felder,
wie Feenhaft bedampft.
Im Dunkel funkelnder Sterne,
wir waren so verkrampft. Posted by Picasa

Shootout

 


Ein zahnloser Hund liegt dösend im Schatten,
der Wind weht Tumbleweed herum.
Indianer träumen davon, was sie hatten,
die Flasche vor ihnen ist stumm.

Und in der Mainstreet gleißendem Lichte,
zeigt sich keine Gestalt.
Der Richter verschläft die letzten Gerichte.
Im Dunkeln lauert Gewalt.

Wenn Gott mich sucht, so sagt ihm Bescheid,
ich warte vor Marys Saloon.
Mit der Hand am Colt, zum Shootout bereit,
die Zeit ist reif für High Noon. Posted by Picasa

Wieder geboren

 

Gerade warst du noch ein Säufer,
elendig verlassen,
alles schien verloren.
Nun aber bist du wieder geboren,
als ein Toppverkaufsgenie.

Deine Ware, günstig dem Käufer,
lässt andere verblassen.
Weltweit jetzt im Angebot,
wer nicht kauft, ist morgen tot:
Freedom and democracy.

P.S.
Beinahe hätte ich noch geschrieben:
wärest du doch ein Trinker geblieben. Posted by Picasa