Dienstag, September 29, 2015

Als Flüchtling



ohne Kompass unterwegs
im eigenen Kopf
stürme ich meine Grenzen
gestrandet an der Wand
steht das letzte Ziel
noch bevor der Morgen graut
vor mir.


Donnerstag, September 24, 2015

Wechseljahre


Der letzte Eisprung ist schon längst vorbei,
doch jetzt gerät die Henne in die Hitzewallung.
Sie legt ins Nest ein faules Ei
und feiert dies mit freundlicher Beschallung.


Dienstag, September 22, 2015

Verfügung



Die Listen werden stündlich aktualisiert,
wer jetzt nicht jubelt, der wird registriert
und das veraltete wird endlich remodernisiert.

Es ist zu viel und nie genug, was da passiert,
da ist es klüger, wenn man brav pariert
und mit den besten um die Wette applaudiert.

Wer sich denn jetzt noch immer echauffiert
bezüglich dessen, was er nicht kapiert,
der wird demnächst zu seinem Besten interniert.

Donnerstag, September 10, 2015

Aus den Nachrichten


An einer Ampel vor dem Reichstag kam es heute früh
zu fremdenfreundlichen Eingriffen.

Von der rechten auf die linke Seite der Straße
trug man - bei Rot! - eine Familie aus Wasistan.
Dann wurde sie überschüttet mit liebevollem Geld
aus weit geöffneten Brieftaschen
und mit den freundlichsten Spenden bedacht.

Spezialitäten von Weltniveau waren aufgetischt,
fröhlich umarmten die Massen
die willkommenengeheißenen, sie tanzten im Takt
des applaudierenden, bunt gewandeten Volkes.

Glänzenden Auges winkte die Staatsratsvorsitzende
dem Volke zu und skandierte:
Ich liebe euch alle!

Montag, September 07, 2015

Gerechtigkeitstherapie


Ich habe Gedanken gesprengt,
Gefühlen die Kehlen zerschnitten,
Ideen zu Tode gepeitscht.

Kriecht mir zu Füßen,
erbärmliche Ideologien,
in köchelndes Wasser geworfen
röchelt die Lüge

ihr gefälschtes Leben
aus der kopierten Seele
in ein benutztes Taschentuch.

Montag, August 31, 2015

Hilfreiche Handreichung


Die aktuelle Situation im Land hat zu zahlreichen Irritationen geführt.
Um die Situation zu klären, hat das Ministerium für innere Dialoge folgendes Papier veröffentlicht:

Fünf goldene Regeln für den Umgang mit Nazis

1) Wer Nazi ist, bestimmt die Antifa, die kennt sich damit aus.
2) Wenn ein Nazi eine Tatsachenbehauptung aufstellt, ist automatisch vom Gegenteil auszugehen. Dazu s. 1).
3) Wer nicht freiwillig an den "Nazifrei"-Aktionen in seiner Stadt teilnimmt, hat eine glaubwürdige Entschuldigung vorzulegen. Ansonsten s. 1).
4) Wer eine nicht hilfreiche, von der Alternativlosigkeit abweichende Meinung vertritt, s. 1).
5) Wer Nazis beköstigt, beherbergt, beschäftigt oder ihnen die Freiheit gewährt, sich zu äußern: s. 1).

Kein vernünftiger Mensch wird etwas gegen diese einfachen Regeln vorzubringen haben. Siehe dazu 1).

Sonntag, August 30, 2015

Gestorben am Frieden



Die Zeit läuft rückwärts ein
Wind weht aus den Köpfen
und eintüten was noch übrig blieb
von großen Tagen tönt man
ähnliches hat keiner je erlebt
und fühlt noch mal die guten Taten
mit deren Hilfe sich das Publikum erhöht
über die Geführten
hören vergangenes voraus. 

Freitag, August 28, 2015

Fairtreibung



Erzengelgleich schwingt er sein Flammenschwert,
ein Retter ohne Fehl und Tadel.
Jetzt gilt es, auszumisten,
hinfort mit Pöbel, Pack, Gesocks.
Die Grenze ist gezogen, wer sie überschreitet,
wird besenrein gekehrt ins Fegefeuer
von denen, die Dämonen erkennen,
weil sie selber keine sind.
Wer stets das rechte fühlt,
hat keine Denkverbote zu erwarten
und keine Gnade zu vergeben.

Samstag, August 15, 2015

Beitragsbefreiung



Wie wird man sein Selbst los,
wenn die bunte Burg aus Legoklötzchen
scheppernd am Boden zerschellt
und man sich, dem fremden Wesen zugeneigt
enteignet, aus lauteren Motiven
eine Falle baut, wie wechselt man vom haut-
den-Lukas-Modus  zur heiteren,
erweiternden Willkommenskultur,
ohne die zu unterscheiden,
die unterschiedlich sind?


Montag, August 10, 2015

Besuch



Hallo, kommt rein, schön, dass ihr da seid,
das Essen ist gleich fertig. Vorher einen Drink?
Die Lederschuhe bitte draußen vor die Tür.
Wer raucht denn noch von euch? Es stinkt.
Wir haben Biowasser, mondgeerntet, grünen Tee
und vom Balkon soeben frisch gepflückte Minze
in anerkannter Ökoqualität. Hier steht
der Kleiderständer für die nichtveganen Jacken,
es tut mir leid, ihr müsst sie selber hängen.
Und, bitte, emittiert im Flur kein CO²,
die Kleinen liegen schon im Bett und schlafen.
Wir wollen sie doch nicht vergasen.

Für eure Räder gäb es draußen einen Ständer.
Wie, ihr seid wirklich mit dem Auto hier!
Wisst ihr denn nicht, wie schädlich das
für euch ist und die Welt?
Wieso wollt ihr denn bloß, was nur vernünftig ist,
von alleine nicht verstehen?
Ich glaub, ihr solltet besser wieder gehen.
Das, was man selber tötet, darf man essen.

Donnerstag, Juli 30, 2015

Nudging



Sie nimmt dich sanft zur Hand
und zeigt dir voller Güte
Erholung pur am Strand voll Sand
und was dir blühte,
nähmst du das unverbindliche Angebot nicht wahr:
Ein strenger Wind weht durch dein ausgefärbtes Haar
und auch der Rest von dir passt in die Tüte.

Samstag, Juli 25, 2015

Näherung


Jetzt gib einem Fluss Wasser,
kauf den Winter ein,
brüll im Schlaf, küss den Mond,
streichle die Frucht und pflanze die Hand.

Steh, Bruder, auf, morgen
wird die Sorge heißer.
Du hast sie vor wie Krieg und
zieh die Jacke über den Himmel,

auch dafür findest du Vergeben
nicht genug.

Montag, Juni 29, 2015

Des neuen Spießers Befindlichkeit


Es könnten doch alle das Fahrrad benutzen,
die sonst mit dem Auto die Umwelt verschmutzen.
Ich kann das nicht, es tut mir so leid,
man zwingt mich zum Auto. Der Weg ist zu weit.

Es könnten doch alle den Urlaub im Garten genießen,
die Wiese verschönern, den Bambus begießen.
Ich bin da entschuldigt, ich muss Hieroglyphen
im Süden des Ostens auf Richtigkeit prüfen.

Es könnten doch alle mehr Gemüse grillen,
es fehlt nicht am Grünzeug, sondern am Willen.
Die Fleischpreise hoch! Lasst sie nur kämpfen!
Ich werde mein Kobe im Webergrill dämpfen.

Es könnten am Besten alle verscheiden,
die den Kontakt mit der Wirklichkeit meiden.
Die Lösung der Frage tut keinem weh.
Ich hab für die Lager schon eine Idee.


Montag, Mai 11, 2015

Seeleneinkäufer



Alle Mann über Bord,
der Käptn ist ein Hai,
die Rettungswesten lecken
und der Smutje ist ein Kannibale.

Das wird kein Kinderschlecken,
hat man uns gesagt,
kein Zuckerspiel,
da heißt es lenzen
bis die Pumpe glüht
und fern am Horizont die Hoffnung
versinkt.

Donnerstag, April 09, 2015

Weltrettungsmaschine


Beitragsservice


Abends langweilt sich die Mimi,
holt die Fernbedienung raus.
Schaut sie einen Schwedenkrimi,
schaut die Welt gleich besser aus.

Der Verstörte, der den vermeintlichen Täter verhörte,
war verstört und hat sich so beim Verhör verhöhrt
und röhrt so rum. Dann kommt ein Nerd,
der hat die Staatsanwältin betört
und nun gehört ihm die Bühne. Bis zur Sühne,
da kommt ein langer Blick auf eine kalte Düne
und auf der Bühne spielen sie Polka, besoffen,
da ist die ganze Ortschaft betroffen,
dann kommt ein Schuldiger geloffen.

Der ist immer weiß und Mittelschicht
und wie der mit sich selber spricht...
das glaubt man nicht.
Sendung aus und Schicht.

Abends langweilt sich die Mimi,
holt die Fernbedienung raus.
Schaut sie einen Dänenkrimi,
schaut die Welt gleich besser aus.

Mittwoch, April 01, 2015

Guter Rat


Einen guten Ratschlag habe ich für dich,
mein Kind:
Schlag jeden guten Ratschlag in den Wind.

Montag, März 02, 2015

Annäherung 1


Der leichteste Weg hinaus ist der schwerste,
das Verlies bleibt zertrümmert zurück
und die Fesseln, zerrissen,
rauchende Ruinen im Mundraum
ist kein Laut mehr auf dem anderen
Kanal läuft die Güllegrube über
die Felder und weit entfernt
heult ein einsamer Wolf, bevor
er für immer verstummt bleibt
ein Testbild vom Glück.

Freitag, Februar 20, 2015

And now for something completly different 1



Duisburg, eine untergehende Goldgräberstadt am westlichen Ende des Ruhrgebiets, bekannt dafür, sich selber zurückzubauen, leistet sich, obwohl chronisch pleite, einen Integrationsrat, in dem eine Vereinigung namens  UMMAH (Unabhängige multikulturelle Menschen aller Herkunft) originellerweise für sich beansprucht, im Namen aller Migranten exklusive Badezeiten für Muslima/innen zu fordern. Umma steht normalerweise für die Gemeinschaft der Gläubigen, die Muslime.
Die Duisburger SPD in ihrer unergründlichen Dämlichkeit hat sich wohl dazu aufgerafft, sich zu diesem Antrag zu enthalten und damit den Weg frei gemacht für zahllose andere Forderungen: Buddhistische Transgender fordern wasserlose Badezeiten (das tut dem Nass doch weh, wenn es getreten wird), Mayapriester wollen Opferstelen in den Becken, Thor fragt nach, wann er denn donnern dürfe und die Rechtsradikalen verlangen, dass muslimischen Männern der Eintritt verwehrt wird, damit die sich keine halbnackten Schlampen ansehen müssen (welche sie zu unkeuschen Ideen verführen könnten). Die Duisburger Piranhazüchter drohen überdies damit, die Becken mit ihrer Brut zu fluten.
Die eleganteste Lösung wäre wohl, sämtliche Schwimmbäder zu schließen, ebenso die Stadtbücherein, in denen reichlich ungesunde Bücher und Videos ausliegen sowie die Finanzämter, in denen weibliche Mitarbeiterinnen Männern die Steuern diktieren. Das Rathaus auch, die Autobahnmeisterei, den Förster braucht auch keine Gemeinschaft wahrhaft Gläubiger: Steht alles schon im großen Buch.
Duisburg ist stolz darauf, bald den ersten Desintegrationsbeauftragten zu beschäftigen.

Sonntag, Februar 15, 2015

Mummenschanz


Alaaf und Allah, Helau und Halal,
das ganze Jahr ist Karneval.
Die einen sind komplett vermummt,
die anderen total verdummt.
Da fragt man sich, was schlimmer sei:
Burka oder Arschgeweih?
Kaftan, Schleier, Häkelkappen,
Bauchfrei, Doppelripp und Schlappen,
Turban, Burnus und Tschador,
Piercing, Tattoo, Emoflor.

Haben die einen wie die andern
alle wohl ein Ei am Wandern? 
Die Antwort darauf weiß jedes Kind:
Dass die sich nur am Verwirklichen sind.


Freitag, Februar 13, 2015

Integration gelungen, Patient tot


Integration gelungen - Patient tot
Hundezüchtervereine begehren auf gegen jahrelange Diskriminierung, sie verlangen Respekt für des Bellen ihrer Bellos, Aquarianer protestieren gegen den Verzehr von Fischen: Auch Guppys haben Rechte. Jeder will mit dem Flieger in den Urlaub, aber nicht über sein Grundstück, der Autobahnzubringer zum Arbeitsplatz solltesich möglichst nah, jedoch nicht in Hörentfernung befinden.
Ein jeder hat Anspruch auf alles, was ihm zusteht, das Geld fließt vom Konto und der Strom aus der Dose. Keiner darf sich mehr anstrengen müssen als andere, ansonsten wird das Ergebnis gerecht verteilt, notfalls auch gewaltsam. Dann brennt halt dein Auto, kleiner Bürger. Wer hat, ist selber Schuld, wenn ihm genommen wird.
Eine Entdeutschung, radikaler und totaler, als man sie sich vorzustellen vermochte, wird vorangetrieben von Kräften, die sich gerade hier als originär Deutsch erweisen: gründlich, sachlich, pünktlich, effektiv. Hier heißt es Schland, man stelle sich mal France als 'ance und England vor als 'nglnd. Durch diese Abweisung erhält man eine Absolution der eigenen Unschuld, man hat nichts mehr zu tun mit der schrecklichen Vergangenheit, gewinnt dadurch die Deutungshoheit und die moralische Überlegenheit, den Feind beim Namen benennen zu dürfen. Da ist die Gesellschaft verpflichtet dem Kampf gegen den Faschismus, den seine Feinde definieren. Da kann schon mal, im Eifer des Gefechts, der eine oder andere zwischen die Mühlsteine geraten und beim Versuch, zu sich zu kommen, an Leib und Seele sich gefährden. Bald wird es erste Einweisungen geben in die Heilanstalten mit der Diagnose "Pegida". Die Methode, Gegner zu psychiatrisieren oder ihnen Phobien anzuhängen, ist so alt wie erfolgreich. Wenn sich Bachmann als Hitler ablichten lässt, liefert er nur das Bild, das vorher schon von ihm gezeichnet wurde.
Jetzt finden sich Müsli- und Muslimbrüder zusammen und jeder weiß, dass die nützlichen Idioten nach der Revolution als erste entsorgt werden als unnütze Idioten. Die europäische Utopie der Volkstransformationen erfordert eine Durchmischung der Völker und eine Schwächung nationaler Befindlichkeiten. Am Heck des sinkenden Schiffes fiedelt die Regierung: Wir gehen nicht unter, der Kahn badet nur.
Doch kriegen wir mit erigiertem Zeigefinger (als ob sie ihre Popel präsentierten)  den Weg gewiesen zur Rettung, den Marsch geblasen: Ey Alter, isch mach disch Abendland. Der gestrenge, strafende Vaterdarsteller macht uns klar, wer auf keinen Fall gehört zum Verein der Überlebenden: Der Jude. Da sind sich alle einig, der Links-, der Rechts- und der Islamfaschist.
Wer den Feinden der Freiheit die Freiheit gewährt, die Freiheit zu bekämpfen, hat bald keine Mittel mehr, für die Freiheit zu kämpfen.

Montag, Januar 26, 2015

Bärtig von Beruf


Wenn ich in mein Kirchlein geh,
fromm und frei zu beten,
steht ein bärtig Männlein da,
will von mir Moneten.

Wenn ich bunte Bildlein mal,
etwa was zum Lachen,
kommt ein bärtig Männchen an,
droht, mich kalt zu machen.

Wenn ich auf dem Wieslein sitz,
will ein Liedchen singen,
fangen bärtigmännlein an,
im Quadrat zu springen.

Wenn ich auf die Sträßchen geh,
mein Geschick zu lenken,
drohen mir die Bärtchen an:
Sollen wir dich henken?

Bärtchenmännlein, ach ich bitt,
lasst mich doch in Rühchen.
Geht, nehmt eure Büchlein mit
zurück in euer Trühchen.


Samstag, Januar 24, 2015

Freiheit to go



Wenn die Vertreter der Freiheit
den Feinden der Freiheit
die Freiheit zugestehen,
die Freiheit zu beseitigen,
haben sie keine Freiheit mehr
zu verteidigen.

Donnerstag, Januar 15, 2015

Spötterdämmerung


Da schwoll dem Führer mächtig die Krawatte
und auch der Duce war nicht amüsiert.
Denn was der eine wie der andre gar nicht gerne hatte:
wenn wer ihn karikiert.

Auch keine Gaudi kannte der Caudillo,
wer ihn verarschte, rauchte bald sein letztes Zigarillo.
Dem Mao und den roten Khmer
war Spaß ein Gräuel. Sogar sehr.

Die Päpste akzeptierten keinen Spott,
da glaubten sie sich im Verein mit Gott.
Wer Stalin irgendwie ironisierte,
der verschwand. Was dann passierte,

ist bekannt. Will man den Platz in dieser Welt behaupten,
so greift man flugs zum füsilieren.
Kalifen ließen ihre Gegner gern enthaupten.
Das könnte uns in Zukunft auch passieren.