Sonntag, April 28, 2013

Totart


Schon ab dem ersten Bild kriegt man genug,
da werkt sich ein Beamter ab.
Mit etwas Pech kommt noch was Grünes untern Pflug,
ein Freund des Volkes fährt ins frühe Grab.

Dann kommt viel Telephon ins Bild,
man trinkt Kaffee voll schlechter Laune.
Die Quotenkommissarin surft wie wild,
die Täter und die Opfer sind recht häufig Braune.

Danach folgt noch ein wenig Tütata,
als ob etwaig was in real life passiert,
gesellschaftkritisch Trallala,
verdauungsfördernd vorpüriert.



Sonntag, April 07, 2013

Das Blaubandministerium zur Frühlingsfrage


An diesem Punkt können wir alle nur noch eines tun
uns kasteien und beten,
dass die sensiblen Winterlinge, die Margareten,
nicht rettungslos verloren in der Erde ruhn.

So künden wir den Winden aus Osten und Norden,
indem wir nackig um die Osterfeuer tanzen:
wir werden euch mit Flammenwerfern ermorden
und dann zertreten wir wie Wanzen

die Schranzen des Winters, den Schnee,
die gräulichen Graupelschauer.
Dem Eis und der Kälte, den schwören wir weh,
ab jetzt herrscht hier Frühling auf Dauer.

Dienstag, März 26, 2013

Die Natur hat immer Recht


Das Konzept ist die Skizze des Entwurfs
zur Veränderung durch Transformation.
Und wenn die Bösen uns zwingen,
böses zu tun, um die Bösen zum Guten zu zwingen,
so bleiben wir sauber. Wir kennen das schon.

Natur befiehl, wir folgen dir
und müssen Millionen verrecken,
so steht die Avantgarde treu und fest
und keiner rettet den Planeten mehr als wir.

Wir glauben. Tut ihr Buße,
auch wenn alles in Scherben fällt.
Vernünftiges Verbieten heilt
Deutschland und die Welt.

Sonntag, März 17, 2013

An der Ich-Grenze


Wir fallen in Liebe vor dem Leben
auf die Nase und tätowieren uns
die Eingeweide wund,
wir glauben nicht mal mehr an nichts
was ihr nicht hören wollt,
so müssen wir aus Lügen Waffen schmieden
gegen uns. Da hilft nichts aus,
es eint der Hass auf das,
was uns verbindet.
Gib deine Hoffnungslosigkeit nicht auf.

Montag, März 04, 2013

Neuer Lebensmittelskandal






Seepferdchen auf der Thunfischpizza und Wellensittiche im Hähnchengulasch.

Verrentungsliedchen





Wie schön, dass du uns jetzt verlässt,
du warst für uns die reinste Pest.
Wie schön, dass ab jetzt Ruhe ist,
du wirst von niemandem vermisst.

Im Märzen





Im Märzen der Bauer verliert den Verstand.
Er setzt seine Scheunen und Ställe in Brand.
Vergiftet die Böden, ermordet das Vieh.
Die Knete aus Brüssel erreichte ihn nie.

Im Juli der Bauer reißt ab seinen Hof.
Er findet es jetzt auf dem Lande zu doof.
Belädt seinen Karren und zieht in die Sadt.
Der Duft seiner Scholle macht ihn nicht mehr satt.

Oktoberns der Bauer im Ethnogewand,
verkauft "Frisch vom Felde" Gemüse am Stand.
Das schickt ihm aus Holland sein einziger Sohn.
Die Arbeit ist schwer, doch leicht ist sein Lohn.

Im Mai hat der Bauer genug Kapital.
Was andere können, kann er allemal.
Er öffnet in Warschau - die Lage ist schick -
die einhundertfünfzigste Smartphoneboutique.

Im Märzen der Bauer zieht wieder aufs Land.
Er jobbt jetzt als Kellner im Schnellrestaurant.
Isst Pizza und Döner, trinkt Cola dazu
und fühlt sich willkommen in seiner EU.

Samstag, Februar 16, 2013

F 313






Den genialen Ingenieuren der glorreichen islamischen Republik Iran ist es mit Gottes
Gnade gelungen, ein das Land unbesiegbar machendes Kampfflugzeug zu
entwickeln, welches die weitere friedliche Entwicklung dieser Nation garantiert und
sämtliche zionistischen und imperialistischen Feinde bereits jetzt in Angst und
Schrecken versetzt. Zur Rundumverteidigung fähig (man weiß ja nie, wo der Feind
gerade sich befindet), steht dieses Meisterstück der Waffenkunst bereits auf den
Einkaufslisten vieler freiheitsliebender Länder wie z.B. Venezuela und Nordkorea.
So fliege uns voran auf dem Weg zu Frieden und Gerechtigkeit, F 313.

Austreibung aus den diversen Paradiesen





Da hat die Jugend, die man immer fördert,
doch nicht fordert, der stetig Halt gegeben wird,
der keiner Einhalt gebietet, ein Problem
mit der Freiheit zu versagen.
Noch nicht mal zum Penner hast du es geschafft,
ging es dir wohl nicht zu gut genug?

Du trügest gerne die Last der anderen auf deinen Schultern,
doch keiner dieser Geizigen gibt etwas ab.
So schafft man sich halt seine eigene Not,
sie zu verschwenden und mit Eifer und Mühe
eine blühende Hölle aus dem Leben zu machen.

Sonntag, Februar 03, 2013

Klezmer 2.0







Wenn Rabbi Augstein aufspielt, wird es heiter,
der Fidelbogen ist mit Schläfenlocken straff bespannt.
Hier hat seit über 60 Jahren keine Synagoge mehr gebrannt.
Wir stehn im Zweifel links konträr zu Nazis undsoweiter
und Israel hat sich ins Verderben selbst verrannt.

Refrain: Ey Alter, hast du etwa eine Kippa unterm Käppi
und trägst das Siegel Salomos auf deiner Brust?
Du weißt, das macht so manchen gar nicht happy
und dich, so wie du auftrittst, zu verteidigen,
hat die Kommune keine Lust.

Wenn Rabbi Augstein aufdreht, wird es heftig,
er ist entdeutscht und auch kein weißer Mann.
Er sagt, was ist, was muss, er sagt es deftig,
jetzt ist die Front, die keine Schuld trägt, dran.
Ihm reicht, bewusst zu unterstellen dann und wann.

Refrain: Ey Alter, hast du etwa eine Kippa unterm Käppi
und trägst das Siegel Salomos auf deiner Brust?
Du weißt, das macht so manchen gar nicht happy
und dich, so wie du auftrittst, zu verteidigen,
hat die Kommune keine Lust.

Der Rabbi Augstein spielt nur einen einzigen Akkord
(und seine Spießgesellen machen schwer auf dicke Hose)
wär erst der Zionist aus Zion endlich fort,
verschwände schon von selbst die Judenchose
und Palästina wär ein Land. Nicht nur ein leeres Wort.

Refrain: Ey Alter, hast du etwa eine Kippa unterm Käppi
und trägst das Siegel Salomos auf deiner Brust?
Du weißt, das macht so manchen gar nicht happy
und dich, so wie du auftrittst, zu verteidigen,
hat die Kommune keine Lust.

Donnerstag, Januar 24, 2013

Braune Tonne


Er springt aus dem Gestrüpp und drückt
mir einen Strauß verwelkter Nesseln ins Gesicht.
Nimm dies, riech hin, so schnupper doch daran,
ein himmelgleicher Duft, den niemand mehr verbessern kann.
Wer wäre ich zu sagen, solches sei verrückt?
Wer ginge denn mit solcher Leidenschaft so strenge ins Gericht?
Ich nehme voller Demut, bescheiden, das Gebinde
und schaue, ob ich nicht im Kompost noch Verwendung dafür finde.

Dienstag, Januar 22, 2013

Von einem Wachtturm aus Folianten gesehen





Illegale Rattenrennen,
in der Vorstadt neue Seuchen
und ein schiefes Grinsen zieht auf.
Barbaren und Vandalen streiten
um die Hinterlassenschaft der Hunnen.
Säkulare Mönche twittern:
So ist das sicher nicht gottungefällig
geworden.

Da untergraben keine Mineure mehr Mauern.
Wenn ein Lebenskunstwerk aus Rauch aufsteigt,
weiß jeder, dass die goldene Horde durchzieht
und die Gesichtsbücher neu gefälscht werden
müssen.

Dienstag, Januar 15, 2013

Haiku Hachi






Graublauer Winterhimmel,
die Trauerweide
kahl.Rücklings im Teich ein Frosch.

Verschwörungspraxis







Wie hoch der Rhein an seine Ufer pegelt
und was man wann und wo und ob noch essen kann,
das wird in Zukunft von Brüssel geregelt.

Wie sich künftig das Geschlecht benimmt,
wer überhaupt was produziert und konsumiert,
wird ab sofort in Brüssel bestimmt.

Was darf man wissen, was kann man denken?
Wer kontrolliert, was interessiert?
Das werden die in Brüssel lenken.

Vor Ort sieht man das große Ganze schlecht,
der kleine Citoyen kommt an den Tellerrand nicht dran.
Jedoch die Zentrale hat immer Recht.

Masturbationslyrik







Das Wort, es hechelt, Lyrik lebt -
die Tastatur ist schwer verklebt.
Der Schweiß ist von des Dichters Stirn gerannt
und wird vom Plebs doch stets als Scheiß verkannt.

Da fließt es aus ihm wie aus tausend Rohren:
Oh haltet ein, ihr tumben Toren!
Ich spritz euch Drechselwörter um die Ohren,
erhört sie, schallts, denn sonst seid ihr verloren.

Doch was passiert, wenn wahre Kunst passiert,
die Kunst, die Kenner einst genossen,
und einer das, was ewig wahr ist, präsentiert?
Der Pöbel murrt: hier hat wohl einer zu früh abgeschossen.

Donnerstag, Dezember 27, 2012

Totensang





Der alte Jimbo Morrison hätte heute eine Glatze
und Hendrix einen dicken Bauch.
Frau Janis Joplin - das verbietet uns die Höflichkeit
und Rio Reiser wäre auch

zahnlos. Bob Marley mit Plattfuß,
Frank Zappa arthritisch,
und Freddie Mercury ginge am Stock.
Die Falten von Bolan und Garcia wären kritisch.

Das haben die gewiß nicht gewollt
und sich von daher recht früh schon getrollt.

Dienstag, Dezember 18, 2012

Letzte Einkaufsliste






Oma kriegt zum Weihnachtsfeste
einen Zentner Kukident,
Tante Sophie Großpalette
Taschentücher. Wie die flennt...
Opa schenken wir dies Jahr
ein Toupet aus Echtgoldhaar.

Für die Kleinen kaufen wir
fünfzig Tonnen Mischgemüse,
haltbar bis zum Weltenende
und die platinierteste Kombüse.
Alles Bargeld muss jetzt raus,
Staatsanleihen: Onkel Klaus.

Ab sofort gibt es Barolo
morgens, mittags, abends, nachts,
Wisentgulasch, Endzeitfische.
Party ist am Fuß des Schachts.
Was wir geben, ist nicht viel,
wichtig nur, man gibt mit Stil.

Mittwoch, Dezember 12, 2012

Elektrisiert






Früh am Morgen soll es schellen,
ich soll aus dem Bette schnellen.
Doch das Smartphone weckt nicht mehr -
leider ist der Akku leer.

Ohne Kaffee nüchtern starten,
ungeduscht, Kollegen warten.
E-Mobil staut den Verkehr -
Mist, verdammter, Akku leer.

Renn zurück in die Garage,
rauf aufs Rad, gerat in Rage.
E-Bike tritt sich ziemlich schwer,
ist erst mal der Akku leer.

Mittags, nach der Hühnersuppe
greif ich zur Elektrofluppe.
Weder Kondensat noch Teer!
Wieder ist ein Akku leer.

Windrad soll den Schädel schmücken,
Sonnenfänger für den Rücken -
gerne schriebe ich noch mehr,
doch jetzt ist mein Akku l....

Sonntag, Dezember 02, 2012

Bewerbung






Das gute Gefühl, dass es einem schlecht geht:
man gibt sich zufrieden mit dem, was man nicht hat,
wenn der Lebenslauf ein Spickzettel ist
und die Bücher im Regal sind noch nicht geschrieben.

Mit Mühe eine gescheiterte Existenz aufgebaut,
Verantwortungslosigkeit übernommen
und ein beträchtliches Unvermögen angehäuft:
das erfordert schon eine besondere Unfähigkeit.

Sonntag, November 25, 2012

Anthropozentrismus






Ein Mensch, irgendein Mensch, geht eine Straße entlang, irgendeine. Es ist ein milder Abend, keine Ursache zu hetzen oder zu eilen, vielleicht ein etwas zügiger Schritt, vielleicht hat die Bäckerei um die Ecke keine Biobrötchen mehr, man müsste zur konventionellen Ware greifen, kein großes Problem, nicht wirklich lebensverkürzend wie neulich der Notstand beim Metzger, nach Ausfall der kontrollierten Kühlkette gab es nur noch Dauerwurst und was die mit einem macht weiß jeder, der sich gegen die Macht der Konzerne stemmt. Deren Kreuzzug gegen unsere Körper ist bekannt, schließlich sterben täglich Menschen daran, dass sie Nahrung zu sich genommen haben. Essen tötet, das weiß inzwischen jeder.
Die letzte echte Beziehung, die ich zu einer Pflanze hatte, war die zu einer Agave auf meiner Fensterbank. Zu der Zeit dachte ich uns in einer gleichberechtigten Beziehung, aber heute weiß ich, ich habe dominiert. Ich habe bestimmt, wann es Wasser gab, Dünger oder frische Erde, wann das Fenster geöffnet wurde oder die Jalousie hochgezogen. Ich war ein Sklavenhalter, nicht besser als die Korsaren des Mittelmeers, die arabischen Sklavenjäger, die kaltherzigen holländischen Händler: ich schnitt die Agave, ich beutete sie aus, ich erntete ihren heilenden Saft.
Also befreite ich die Pflanze, pflanzte sie aus, gab ihr alle Möglichkeiten, selbstbestimmt zu blühen und zu wachsen, die Welt mit ihren Nachkommen zu überziehen und sie zu bereichern. Leider überstand sie den ersten Winter nicht, sicher lag es an mir. Ich hätte ihr mit einer Kerzenkette helfen müssen. Dass ich nicht früher darauf kam, liegt sicher daran, dass ich weiß bin, also hellhäutig, also Verursacher sämtlicher vorstellbaren Probleme.
So trat ich neulich aus der Haustür und mir lief eine schwarze Katze von links über den Weg. Halt, stopp, ganz andersrum: ich lief einer schwarzen Katze von rechts übern Weg. Was macht das mit dem Tier? Wie sehr habe ich es gedemütigt, entrechtet und geknechtet allein durch die anscheinende Größe meines Körpers, durch die diskriminierende Diskrepanz des Verhältnisses unserer Körper?
Ich werde hinfort auf allen vieren durch die Gossen schleichen, den Blick gesenkt und allzeit demutsbereit.

Samstag, November 24, 2012

ein eigen lied



ich summ mein lied und du verlinkst das
und einer sucht und findet was noch fehlt
und eine singt das und verlinkt was
und dann wird neu erzählt was
kann wird irgendwie passieren
die farben werden frisch gemischt
am tisch nimm deine karten wieder auf
als fälschung folgt das echte der kopie
oder so

Freitag, November 23, 2012

Im Zweifel blind







Wütend haut Bruder Jakob auf die Trommel:
So billig ist die Wahrheit sonst nirgends zu kriegen!
Mit Mut und eiserner Entschlossenheit tritt er für das Gute, Schöne, Wahre
jenen die Fresse ein, von welchen er zwar keine Ahnung,
zu denen er jedoch schon immer eine Meinung hat.

Laut haut er aufs Trömmelchen, lauter noch haut er und dass das nervt, das nervt ihn nicht.
Denn jeder Jakobiner weiß, er ist ein RE-VO-LU-TIONÄR!
Doch kommt er viel zu früh zu spät:
der Bär ist nackt, er hat vor Angst sein Fell an die Bedürftigen verteilt
und auf dem Jakobsweg gehört die Minderheit der Mehrheit an.

Marschbefehl (Remix)






Pack deinen Bleistift ein und dein Moleskine, Poet,
spring frisch in Stiefel aus Metaphern.
Auf gehts ins Wortfeld zum letzten Gericht.
Schon schreibt der Feind, verschone ihn nicht,
kartätsch ihn mit Kadenzen und Sentenzen.

Zieh deinen Lorbeerkranz tief in die Stirn, Poet,
wenn Versschrapnelle um die Ohren fliegen
und Kameraden aus dem Metrum fallen,
bleib stark. Und denk daran: Du schreibst mit allen
Zeilen Geschichte, nicht bloß Gedichte.