Dienstag, Juni 21, 2005

Unterwasser

Painting by V.S.


Man kann sich bequem in Wut und Zorn auf die Welt einrichten, sich panzern und eine Rüstung anlegen, die Welt schert sich nicht darum. Die Welt hat die Angewohnheit, in Reservate einzudringen. Keine Fläche in der Natur bleibt unbewachsen, es sei denn die Tiefsee. Also begibt man sich unter Wasser, irrt umher, redet mit den Schatten, bis man auf einen Außenposten der Zivilisation trifft, das Gefühl. Dann schlägt das Gefühl gnadenlos zu, wie lange man auch im Wasser verbracht hat als Namenloser und wie sehr man auch glaubt, gefeit zu sein, es schlägt einen schwindelig. Dann erschrickt man und versucht, sich zu verstecken, aber unter Wasser kann man sich nicht vor sich selber verstecken. Dann schaut man sich das Gefühl genau an, analysiert es und versucht, es kaputt zu machen, bis man merkt, daß man sich selber kaputtmachen würde, gelänge es einem. Was einem in der See willkommen gewesen wäre, wird jetzt, wo man schon einen Schritt heraus ist, unvorstellbar. Also geht man zu Freunden und versucht, eine Vostellung zu bekommen davon. was denn jetzt los ist, vor kurzem hat man das Gefühl noch belacht und jetzt sowas. Dann nimmt man das Gefühl an und versucht, die Quintessenz herauszudestillieren, um es rein zu halten, um es behalten zu können. Das Gefühl jedoch strebt nach Vereinigung, bleibt nicht mit sich allein, sucht nach einer Gleichgesinnten. Dann kommt zum Schwindel noch das Herzklopfen, zur Vereinigung gehören zwei. Das zweite jedoch ist das Fremde, Unbekannte, vor dem zu verbergen man sich eigentlich unter Wasser begeben hat. Dann versucht man, das Gefühl auf die ganze Menschheit auszudehnen, schrickt aber vor der völligen Selbstaufgabe zurück. Dann versucht man, Zeit zu gewinnen, um sich zu besinnen und denkt doch immer nur im Kreis. Dann kommt zu Schwindel und Herzklopfen noch der Hunger, weil man anfängt, seine Festung zu schleifen, Panzer und Rüstung abzulegen. Dann hat das Gefühl Sehnsucht, strebt nach Erwiderung, beginnt einen Krieg gegen die Angst und man fängt an, Bücher und Gedichte zu lesen, um sich zu zeigen, daß alles schon vorher genau so da war, nur nicht für einen selber. Dann fängt man an, seine Angelegenheiten zu ordnen, um mit dem Alten Schluß machen und etwas Neues beginnen zu können. Aber warum sollte das Neue anders werden, als es das alte war? Dann geht man wieder unter Wasser, aber mit einem besseren Gefühl. Bis der Kreislauf, in immer kürzeren Abständen, von vorne beginnt. Dann verläßt man das Wasser und stellt sich dem Leben.

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